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Die zwölf Reiche

Eine Kurzgeschichte, um eine Flucht aus einem implodierenden Universum.

Seti@home-Wow!-Event 2012

Zwölf Flotten aus zwölf Reichen, machen sich nach dem Ertönen des RUFs, auf die Flucht ins Zentrum des flachen Universums. Sie haben nur vierzehn Perioden Zeit, um der Implosionswelle zu entkommen.
SETI@Home-Wow!-Event 2012

 

Illegale Mineralsammler
Die Anzahl der vor dem Bug des Schiffes auftauchenden Materiebrocken nahm stetig zu. Der Kapitän hatte also den richtigen Riecher gehabt. Vor ihnen lag ein dichtes Feld Materiebrocken mit hoffentlich vielen mineralischen Einschlüssen. Hoffentlich fanden sie in diesem Materiebrockenfeld auch die seltenen nichtmagnetischen Atome, wie zum Beispiel Aluminium oder Sauerstoff. Alleine die Mineralien Almandin und Augit brauchten zwölf beziehungsweise sechs Atome Sauerstoff. Damit ließe sich viel Reichtum erstehen. Von den Wachschiffen, die sich irgendwo hinter ihnen befinden mussten, ging keine Gefahr mehr aus. Sie wachten über die äußerste Grenze des Reiches Pisces, um zu verhindern, das sich Schiffe zu weit voraus wagten und damit Gefahr liefen, den äußersten Rand des Universums zu erreichen. Ihr Kapitän konnte das zwar Nachvollziehen, aber dieser äußerste Rand des Universums, war aller Wahrscheinlichkeit nach, noch in unbekannter Ferne. Seit Jahrhunderten war man ihm nicht begegnet. Warum sollte es nun so sein, fragte er sich. Er warf einen Blick auf den Partikelzähler und sah, dass die Anzahl der magnetischen Partikel im Fluid höher als normalerweise der Fall war. Ein Zeichen für mineralische Ablagerungen in den Materiebrocken vor ihnen. Allerdings verwirrte ihn die Anzeige des Flussmessers, der die Stärke des magnetischen Feldes vom oberen und unteren Rand des Universums anzeigte. Das Schiff befand sich derzeit mit rund fünfzig Meter Abstand recht genau zwischen dem oberen und unteren Rand des Universums. Die Stärke des magnetischen Feldes sollte also einen mittleren Wert zeigen. Die Anzeige variierte aber recht stark. Das war sehr ungewöhnlich. Aber bevor er sich weiter Gedanken darüber machen konnte, war ihr Schiff der Ballung von Materiebrocken nahe gekommen. Während die Besatzung mittels der langen Absorberstangen die Materiebrocken vom Schiff fernhielten, achtete er ausschließlich auf seinen Kurs.
Vorsichtig manövrierte er in die Ballung der Materiebrocken hinein. Dabei hielt er Ausschau nach einem Materiebrocken, der viele Mineraleinschlüsse versprach. Die Materiebrocken am Rande der Ballung bewegten sich kaum. Dies galt allerdings nicht für die weiter innen Schwebenden. Die Ursache lag in der variierenden Feldstärke des magnetischen Feldes, das so ungewöhnlich war, das er noch nie etwas im Reich Libra davon gehört hatte. Dieses sich ständig verändernde Feld bewegte die magnetischen Partikel im Fluid und die wiederum die Materiebrocken. Aber warum dann nur die im Inneren der Ballung und nicht auch die am Rande? Erst, als eine bläulich wallende Fläche direkt vor dem Schiffsbug auftauchte, verstand er die seltsame Anzeige des Flussmessers. Zitternd umklammerte er das Steuerrad, während sich der Bug des Schiffes an den Rand des Universums heranschob. Nun waren auch weitere Besatzungsmitglieder auf die äußerste Begrenzung aufmerksam geworden. Sie versuchten, nach anfänglichem Zögern, das Schiff davor zu bewahren mit dem Rand in Kontakt zu kommen. Denn einer Prophezeiung nach, würde dies den unweigerlichen Untergang des Universums nach sich ziehen. Aber das Schiff hatte zu viel Geschwindigkeit und so berührte der Bug den Rand ihres Universums.
Das bläuliche Wallen des Randes verstärkte sich kurz, während das Schiff schlagartig zurückgestoßen wurde. Aber nicht nur das Schiff wurde zurückgestoßen, sondern auch alles Materiebrocken. Die Feldstärke, die vom Rand des Universums ausging, begann rasant zu steigen und trieb die magnetischen Partikel im Fluid vor sich her. Den Materiebrocken, die an ihnen hafteten, blieb nichts anderes übrig, als ihnen zu folgen. Immer schneller werdend zerrieben sie das Mineralsammelschiff zwischen sich, während sie immer schneller werdend auf den Zentrumsbereich des Universums zurasten. Gleichzeitig damit verursachte das kurzfristig angestiegene Wallen des Randes, einen tiefen Ruf zu verursachen. Dieser tiefe Ruf bewegte sich nicht, denn er kam aus den Begrenzungen des Universums selbst und war somit überall darin zu vernehmen. Es verkündete, dass das Universum implodierte.

Wachschiffpatroille
Das Wachschiff zog langsam seine Bahn in dem ihm zugewiesenen Bereich der Grenze zwischen den Reichen Libra und Pisces. Wie zwischen allen zwölf Reichen gab es kaum Zwischenfälle. Vor einigen Hunderten Jahren war das noch ganz anders gewesen. Heute achteten die Wachschiffe eher auf Mineralsammelschiffe, die sich in Richtung auswärts aus den Grenzen des Reiches aufmachen wollten. Vorwiegend heimlich natürlich und genau aus diesem Grund zog das Wachschiff seine Bahn. Dabei achtete es auch darauf, Irrläufer der Materiebrocken wieder in Richtung des Reiches Libra zurückzubringen. Da auch die Wachschiffe des Reiches Pisces dies taten, blieb immer ein schmaler Bereich frei von Materiebrocken. Die Zeiträume bei dem das Wachschiff einen Materiebrocken zurückholte, war es natürlich für Mineralsammelschiff, das ein heimlich unterwegs war, gut zu sehen. Umgekehrt allerdings auch. Erst wenn sich das Wachschiff zwischen den Materiebrocken am Rand der Grenze verstecken konnte, wagten die Mineralsammelschiffe den freien Bereich, schnell zu überqueren. In der Hoffnung, vom Wachschiff nicht gesehen zu werden, da es sich vielleicht gerade hinter einem Materiebrocken befand. Eine zugegeben vorhandene Möglichkeit, die es hin und wieder einem Mineralsammelschiff ermöglichte, ungesehen den Grenzbereich zu durchqueren. Vor allem hier in der Nähe der äußersten Grenze des Reiches.
Nicht weit entfernt lag die äußerste Grenze des Reiches. Wobei das Reich Pisces ihre äußerste Grenze um etwa eine Tagesreise weiter nach außen geschoben hatte, als das Reich Libra. Es war auch das einzige Reich im kreisrunden und flachen Universum, das sich am weitesten nach außen getraut hatte. Aber als dann alle anderen Reiche in ihrer Ausdehnung verharrten, stoppte es seine Ausbreitung ebenfalls. Die Gefahr, dass die alte Prophezeiung eintreten könnte, war auch dem Reich Pisces zu groß. Denn die Aussage der Prophezeiung auf das Ende des Universums war endgültig. Jeder Bewohner der zwölf Reiche kannte diese Prophezeiung, aber nicht alle achteten sie. Die Aussicht auf großen Reichtum durch noch unentdeckte Mineralien in den Materiebrocken an den Randbereichen der Reiche war zu groß. Damit nicht zufällig ein Schiff an den Rand des Universums geriet, zogen unzählige Wachschiffe an den Randbereichen der Reiche entlang und sollten dies verhindern. Jedes Schiff, das den Grenzbereich durchflog, wurde ohne Gnade abgeschossen. Vorausgesetzt, ein Wachschiff entdeckte es. Und so zog auch dieses Wachschiff seine Bahn zum Schutz des Universums.
Völlig unerwartet war plötzlich ein tiefer Ruf von überall her zu vernehmen. Auch der obere und untere Rand des Universums vibrierte wellenförmig. Für das Wachschiff war dies jenseits seiner Automatik und konnte ignoriert werden. Jedoch hatte der tiefe Ruf, gravierende Auswirkungen denn er schaltete die Automatik ab. Das Wachschiff kam zur Ruhe, konnte aber intern weiterhin funktionieren. Eine Bewegung veranlasste das Wachschiff, seine Aufmerksamkeit in die Ferne zu richten. Entweder ein Mineralsammelschiff oder ein freier Materiebrocken im Grenzbereich. Beides bedingte eigentlich eine Aktion des Wachschiffes. Dazu war es aber nicht mehr fähig. Aber selbst wenn würde es dem Wachschiff nichts nützen, denn was auf dem Wachschiff mit einer irrwitzigen Geschwindigkeit zuraste, war es nicht automatisiert worden. Es war kein Mineralsammelschiff und auch kein einzelner Materiebrocken, sondern eine Welle aus unzähligen Mineralbrocken, die auf das rein automatisch funktionierende Wachschiff zuraste. Und es wenige Sekunden später, zwischen sich zerrieben.

Mineralienhändler
«Eisen, ganz günstig», rief ein Mineralienhändler von seinem Stand aus in die Menge. «Drei Atome für nur ein Atom Selenium.» Das war wirklich günstig, fand er. Leider hatte er kein Seleniumatom dabei und Eisenatome suchte er derzeit nicht. Er streckte sich kurz in die Höhe, um einen Blick über die Menge der handelnden Mineralienhändler werfen zu können. Der Wimpel, den er schon zu beginn des Händlermarktes gesehen hatte, flatterte im Fluid nicht weit vor ihm. Er schob sich wieder durch die Menge und erreichte den von ihm gesuchten Stand. Hier im Reich Sagittarius wurden vorwiegend nichtmagnetische Mineralien gehandelt. Er hoffte hier, die ihm fehlenden Aluminiumatome zu finden, um einen Kern Almandin erzeugen zu können. Zwei dieser selten vorkommenden Atome suchte er. Drei Atome Silizium und Eisen sowie zwölf Sauerstoffatome hatte er bereits zusammen. Mit diesem Mineral, sowie den schon zusammengesetzten anderen, wollte er seine Erfindung, eine rein magnetisch arbeitende Absorberstange konstruieren. Wobei es diese immer hinderliche Stange nicht mehr geben sollte. Solange Materiebrocken weit vom Schiff schwebten, waren sie durchaus problemlos einsetzbar. Allerdings wenn sie dem Schiff schon zu nahe gekommen waren, wurde es unhandlich aufgrund ihrer Länge. Auch wenn sie in ihrer Länge durchaus einstellbar waren. Nur dass oft einfach die Zeit fehlte, um die Absorberstange entsprechend zu kürzen. Es kam immer wieder vor, dass sich mehrere Besatzungsmitglieder mit ihren zu langen Absorberstangen in die Quere kamen und sich gegenseitig behinderten. Wobei hin und wieder ein Schiff mit einem Materiebrocken zusammentraf und es zerstörte. Mit seiner Erfindung würden solche Behinderungen der Vergangenheit angehören. Das Almandinmineral sollte dabei eine wichtige Funktion erfüllen. Zumindest teilten es ihm seine Berechnungen mit. Auf diesem Händlermarkt war er nun, weil er nicht die finanziellen Mittel hatte, sich ein schon fertiges Almandinmineral zu kaufen. Er musste es selbst aus den Einzelatomen herstellen. Das dauerte länger, war aber um den Faktor sechzig günstiger.
Das Fluid auf dem Händlermarkt übertrug eine Vielzahl von Gerüchen. Wer geübt war, konnte schon dem Geruch nach feststellen, in welche Richtung bestimmte Mineralien ge- oder verkauft wurden. Und es war laut. Fast jeder Händler hatte eine tiefe Stimme, um seine Mineralien anzupreisen. Und bei den Verhandlungen um den richtigen Preis oder Tauschwert ging es oft auch lauter zu. Die allgegenwärtige Geräuschkulisse wurde plötzlich durch einen unheimlich tiefen Ton durchbrochen. Er war nur kurz zu vernehmen, aber er schien von überall her zu kommen. Es wurde kurz still auf dem Händlermarkt, aber dann begann sich die normale Geräuschkulisse, wieder zu bilden. Auch er wandte sich nach kurzem Zögern, irgendetwas hatte es mit diesem tiefen Ton auf sich, wieder dem Stand vor ihm zu. Ihm viel der Zusammenhang nicht ein und der bevorstehende Handel drängte sich wieder in sein Bewusstsein.
Bevor er den Händler auf sich aufmerksam machen konnte, gab es irgendwo hinter ihm einen Aufruhr auf dem Händlermarkt. Er drehte sich um und bemerkte Seltsames. Gläser mit Einzelatomen oder Mineralen darin schwebten von den Tischen empor. Er holte aus einer Jackentasche einen kleinen Flussmesser hervor. Da er sich dabei leicht zur Seite drehte, erkannte er auch, dass die Gläser des Händlers, vor dem er stand, nicht davonschwebten. Dies Bestätigte seine Theorie, bevor er einen Blick auf seinen Flussmesser warf. Er zeigte eine stetig steigende Feldstärke an. Alle magnetischen Elemente folgten dem höheren Magnetfeldströmen und begannen sich zu bewegen. Nur die nichtmagnetischen Elemente, wie sie der Händler vor ihm anbot, blieben, wo sie waren. Unter seinen Füßen bemerkte er nun auch das leichte Zittern des Materiebrockens, auf dem sich dieser Händlermarkt befand. Auch er begann sich zu bewegen, wobei er aber noch von zahlreichen Verbindungsstegen, die ihn mit den benachbarten Materiebrocken verbanden, daran weitesgehend gehindert wurde. Da die Feldstärke stetig stieg, wie der Flussmesser zeigte, würde dies aber nicht von Dauer sein. Es wurde gefährlich auf dem Materiebrocken zu bleiben und so machte er sich auf zu seinem Schiff. Auf seinen Weg durch die nun panisch werdende Menge aufgrund des immer unsicher werdenden Materiebrockens fiel sein Blick erst nach oben, als es längst zu spät war. Er konnte noch kurz eine, die komplette Höhe des Universums ausfüllende Welle von Materiebrocken auf sich zukommen sehen.

Archivar
Als der oberste Archivar des Reiches Aries den tiefen Ruf des Universums hörte, schlug sein Herz so schnell wie noch nie zuvor. Gerade eben noch sortierte er alte Zusammensetzungen von magnetischen Mineralien und gleich darauf war er zum Observationsraum unterwegs. Von Anbeginn seiner Laufbahn als Archivar wusste er um den tiefen Ruf des Universums, wie ihn die Prophezeiung beschrieb. Aus eigenen Erfahrungen war ihm bewusst, das nur wenige in den zwölf Reichen um die reale Bedrohung wussten, wenn der tiefe Ruf zu vernehmen war. Aus uralten Überlieferungen wusste er auch um die Entstehung des tiefen Rufs. Während der Entstehung des Universums war dem Fluid eine Signalschwingung aufgeprägt worden, die mittels komplizierter Apparate auf Pyrrhotin- und Ilmenitbasis nachgewiesen werden konnte. ‹6-E-Q-U-J-5›, dieser Signalverlauf war jedem Archivar bekannt. Der tiefe Ruf sollte genau diese Schwingung aufweisen. Unter den Archivaren der königlichen Zitadelle gab es durchaus andere Meinungen, was die Ausbreitung des tiefen Rufs anging. Während die einen davon ausgingen, dass er allein durch die Berührung des äußersten Randes des Universums und dann auch genau dort entstand, war er der Meinung, dass der tiefe Ruf genau im Zentrum des Universums seinen eigentlichen Ursprung hatte. Da der tiefe Ruf überall im Universum gleichzeitig erklang, war eine genaue Zuordnung des wirklichen Ursprungs nur theoretisch zu ermitteln. Zudem erklang der tiefe Ruf nur ein einziges Mal und das auch nur kurz.
Inzwischen hatte er den Observationsraum erreicht und besah sich die Anzeigen der darin befindlichen Messinstrumente. Sie bestätigten den tiefen Ruf, der inzwischen verklungen war. Allerdings nicht die Auswirkungen, deren Beginn er dem Universum mitteilte. Auch ein Blick durch das Teleskop zum oberen und unteren Rand zeigte noch die Auswirkungen, die der tiefe Ruf mit sich brachte. Der Observationsraum befand sich in einem eigenen Materiebrocken mit etwa achtzig Metern länge aber nur zwanzig Meter Durchmesser. Ausgerichtet wurde er durch diverse magnetische Mineralien, die ihn entsprechend im Magnetfeld des Universums ausrichteten. Und zwar derart, dass seine Längsausrichtung vom oberen zum unteren Rand des Universums zeigte. Jedes Ende des Materiebrockens lag also nur etwa zehn Meter vom jeweiligen Rand des Universums entfernt. Verbunden mit der königlichen Zitadelle durch einige wenige Verbindungsröhren. Durch zahlreiche Spiegelfelder wurde ein Abbild des jeweiligen Randes des Universums auf einen Tisch projiziert. So genau, dass der oberste Archivar die Schwingungen im bläulichen Wallen erkennen konnte. Dieses Wallen wurde von diversen magnetischen Ilmenitapparaten aufgebrochen in seinen Signalverlauf zerlegt. Der oberste Archivar suchte sofort nach dem Signalverlauf, die genau im Augenblick des tiefen Rufs aufgezeichnet worden war. ‹6-E-Q-U-J-5›. Und auch die Richtung, aus der sich dieser Signalverlauf ausgebreitet hatte, konnte durch einen Kassiteritapparat entschlüsselt werden. Im Observationsraum herrschte große Aufregung unter den immer zahlreicher werdenden Archivaren. Nun war der Beweis erbracht worden, dass der tiefe Ruf zwar vom äußersten Rand des Universums verursacht, aber vom Mittelpunkt des Universums ausging. Neben der optischen Erfassung nahm der oberste Archivar auch die weiteren Daten von den anderen Archivaren entgegen. Die Feldstärke des Magnetfeldes begann, ganz langsam anzusteigen. Auch die der Partikelzähler wies erhöhte Partikel im Fluid nach. Der oberste Archivar fasste die Ergebnisse zusammen und erkannte das sich das Universum durch eine Implosion von außen nach innen her vernichten würde. Beziehungsweise dies ja schon tat! Da der tiefe Ruf überall im Universum gleichzeitig zu hören war, hatte die königliche Zitadelle hier am inneren Ende, fast am Rand des inneren Bereiches gelegen, noch etwa vierzehn Perioden Zeit, bis auch hier alles vernichtet wurde. In den Bereichen des Reiches Libra, die näher zum äußersten Rand lagen, trat die Vernichtung bereits ein. Es wurde Zeit, den König aufzusuchen und ihm die grauenvolle Neuigkeit über das Ende des Universums mitzuteilen. Kaum das der oberste Archivar, dass Observationsraum verlassen hatte, wurde er schon von der Wache abgeholt. Der König erwartete ihn bereits.

Evakuierung
Der König sah seinem obersten Archivar nach, als der aus dem Thronsaal verschwand. Er hatte ihm bestätigt, was er schon wusste. Der Untergang aller zwölf Reiche war eingeleitet. Ein Schiff irgendeines Reiches hatte den äußersten Rand des Universums erreicht und ihn berührt. Und damit den Untergang des Universums, wie ihn die Prophezeiung beschrieb, verursacht. Der Archivar hatte ihm von etwa vierzehn Perioden berichtet, bis die Implosion den inneren Bereich erreichen würde. Also etwa dreizehn Perioden, bis die Implosion die königliche Zitadelle erreichte. Aber die dritte Zeile der Prophezeiung teilte unmissverständlich mit, dass sich nur das schnellste Reich retten konnte. Demnach trat der Untergang schnell ein. Und ihm blieb somit nicht viel Zeit, damit das Reich Aries das Rennen in die Sicherheit eines benachbarten Universums, gewann. Er gab die entsprechenden Befehle, die seine Familie, sämtliche Bedienstete sowie die Flotte auf dem schnellsten Weg in den inneren Bereich des Universums schicken würde. Wie die zweite Zeile der Prophezeiung besagte, war dieser innere Bereich mit dem Ertönen des tiefen Rufs frei zugänglich. Damit war zum einen die Gefahr im Inneren des inneren Bereiches des Universums gemeint und zum anderen die Wachschiffe, die den inneren Bereich bewachten. Denn diese besaßen eine uralte Programmierung, die der erste König des damaligen noch einzigen Reiches einprogrammieren ließ und die seitdem auch nie entfernt worden war. Aufgrund dieser Programmierung, die aktiv werden würde, sobald der tiefe Ruf ertönte, stellten die Wachschiffe ihren Dienst ein. Damit war der Weg für alle Bewohner in den inneren Bereich des Universums frei. Und wenn die Prophezeiung zutreffend war, gab es im Zentrum des inneren Bereiches auch einen Zugang zu einem benachbarten Universum.
Dorthin würde er sich nun auch, inmitten seiner Flotte, aufmachen. Wie auch alle Bewohner seines Reiches und die aller anderen elf Reiche. Die Wachschiffe würden die Flotte begleiten denn mit ertönen des tiefen Rufs hatten sie ihre eigentliche Bedeutung und Aufgabe verloren. Der Zugang zum inneren Bereich des Universums musste von nun frei zugänglich sein. Auch wenn er als König über die spezielle Frequenz für die Deaktivierung der Wachschiffe verfügte. Als seine Wache ihm mitteilte, dass die Flotte einsatzbereit war, machte er sich auf zu seinem Flaggschiff. Vieles musste zurückgelassen werden. Aber dafür war einfach kein Platz auf den Schiffen. Und er ahnte, dass der freie Platz während der Flucht durch die Aufnahme von Schiffbrüchigen im inneren Bereich abnehmen würde. Auch wenn die Prophezeiung aussagte, dass der Bereich des Überganges frei sein würde. Er ahnte, das, damit nicht der gesamte innere Bereich gemeint war. Zudem würde es zu Streitigkeiten zwischen den Schiffen der zwölf Reiche kommen. Daher würde er auch die ehemaligen Wachschiffe mitnehmen. Die elf anderen Könige würden ähnlich handeln. Als die Flotte von der königlichen Zitadelle ablegte, sah er nicht zurück. Das Ziel der Flotte war nun der innere Bereich und der lag vor ihnen.

Rennschiff
Er transferierte die letzten Eisenatome zum Bug des Rennschiffs, um auch noch das letzte Quäntchen an Geschwindigkeit herauszuholen. Er sah nur selten zurück auf das Grauen, das ihrem Rennschiff folgte. So ganz fassen konnte er es noch nicht. Auch seine Besatzung nicht, die wie erstarrt hinter ihm auf dem Boden hockte und auf ihr Entkommen, warteten. Denn auch wenn sie es nicht wahrhaben wollten, sie konnten dem Grauen hinter ihnen nicht ewig davonfahren. Spätestens, wenn seine Konzentration nachließ und sie mit einem Materiebrocken kollidierten. Oder wenn sie zu weit vom geradlinigsten Kurs abweichen mussten. Sein Rennschiff war schneller als die Welle aus zerriebenen Materiebrocken, die während des Rennens plötzlich aufgetaucht war. Dabei hatte das periodisch wiederkehrende Rennen zwischen den beiden Städten im Reich Taurus so gut begonnen. Das sportliche Highlight, hier im äußersten Bereich des Reiches Virgo.
Von Beginn an dominierten sie mit ihrem Doppelrumpfschiff das Feld der Teilnehmer. Bis dann diese grauenvoll anzusehende Welle hinter der Stadt auftauchte. Sie überrollte die in den verbundenen Materiebrocken angesiedelte Stadt in sehr kurzer Zeit. Inzwischen wusste er auch um die Bedeutung des tiefen Rufs, den sie wenig vorher gehört hatten. Die Prophezeiung war also wahr. Das Universum implodierte und das, was hinter ihnen aufgetaucht war, war die Welle der Implosion, die alle Materie vom äußersten Rand des Universums, zu dessen Mitte hin, vor sich hertrieb. Vor dem Rennschiff tauchte eine größere Ansammlung von mit Röhren verbundenen Materiebrocken auf. Sie hatten die benachbarte Stadt erreicht und damit ihr eigenes Ende. Es blieb keine Zeit zum Vorbeifliegen, denn die Welle aus zerriebenen Materiebrocken war dicht hinter ihnen. Und sie war wie eine Wand, die sich endlos zu beiden Seiten ausdehnte. Er sah nur kurz zurück auf das Grauen, dann wechselte er einen kurzen Blick mit seiner Besatzung und nahm Kurs auf den am nächsten vor ihm befindlichen Materiebrocken der Stadt. Weiterfliegen hatte keinen Sinn und es gab einen schnelleren Tod als zwischen kleinsten Steinchen zerrieben zu werden. Der Materiebrocken wuchs schnell vor dem Bug des Rennschiffs und bereitete seiner Besatzung und ihm einen kurzen gnädigen Tod, als das Rennschiff mit ihm kollidierte.

Spionage
Der Thronsaal war leer bis auf die persönliche Wache, einige Schritte neben ihm. Als die Tür zum Thronsaal sich schloss, öffnete er die versiegelten Berichte. Vorher hatte er die Siegel auf den Berichten genau betrachtet und geprüft. Sie waren korrekt und intakt. Versiegelt waren sie von seinen Spionen, die er vor langer Zeit in die benachbarten Reiche geschickt hatte. Es war immer gut über die Aktivitäten in den Nachbarreichen, unterrichtet zu sein. Den Siegeln nach kamen diese Berichte von drei verschiedenen Spionen aus dem Reich Gemini. Die Tatsache dass sie ihn gleichzeitig erreichten, machte ihm sorgen. Irgendetwas Größeres musste im Reich Gemini vorgehen.
Der erste Bericht beschäftigte sich mit dem allgemeinen Leben in der königlichen Zitadelle. Sein dort platzierter Spion hatte die Aufgabe, das Verhalten und die Entscheidungen unter den Bediensteten der königlichen Zitadelle zu beobachten. Seiner eigenen Erfahrung nach, spiegelte das Verhalten der Bediensteten die Wünsche und Entscheidungen des Königs wieder. Weswegen es in seiner königlichen Zitadelle auch kaum Bedienstete gab. Der Spion beschrieb eine große Unruhe unter den Bediensteten. Unangekündigte Gäste des Königs mussten untergebracht und versorgt werden. Getroffene Wünsche des Königs wurden kurz vor Erfüllung zurückgenommen und vieles mehr. Viele Kleinigkeiten, aber sie zeigten, dass der König vor schweren und weitreichenden Entscheidungen stand. Der zweite Bericht beschäftigte sich mit der öffentlichen Meinung, die der Spion auf den kleinen Händlermärkten aufnahm. Es wurden verstärkt Arbeitskräfte von vielen Konsortien gesucht. Beste Bezahlung wurde versprochen. Von den Händlern wurden verstärkt magnetische Mineralien aber auch Einzelatome gekauft. Und in vielen Fällen waren es keine anderen Händler, sondern wieder Konsortien. Dies wies auf eine verstärkte Wirtschaft hin. Letztendlich brachte der dritte Bericht etwas Genaueres zutage. Der Spion berichtete darin von einer Erhöhung der Anzahl von Wachschiffen an der Grenze zum Reich Scorpio.
Der König senkte die Berichte, wobei er darauf achtete, diese vorher zu falten. Wenn er Spione aussenden konnte, so konnten das alle anderen Reiche auch. Ein verstohlener Blick zu seiner persönlichen Wache bestätigte ihm, dass diese ihren Blick auf die Thronsaaltür gerichtet hielt. Wenn eine Gefahr für ihn auftauchen sollte, so dort. Die Berichte bestätigten ihm eines. Es sah ganz nach einer Mobilmachung im Reich Gemini aus. Und das Ziel dieser Mobilmachung war anscheinend das Reich Scorpio. Ein Krieg, nach über tausend Perioden Frieden?

Produktionssteigerung
Er seufzte wieder einmal lautlos auf. Soeben hatte ihm ein Bote die neuen Vorgaben des Königs übermittelt. Er hielt sich die Mitteilung noch einmal vor Augen. Unrealistisch war das, was ihm dazu einfiel. Sieben Schiffe pro Periode, war schon ein Schiff über dem eigentlichen Limit dieser Werft. Nun sollten es zehn Schiffe pro Periode werden. Als Begründung hatte der Bote eine Mobilmachung des Reiches genannt. Sollte es ein Krieg geben? Mit welchem der benachbarten Reiche? Libra oder Scorpio? Er konnte es sich nicht vorstellen, denn der letzte Krieg in den zwölf Reichen lag mehrere tausend Perioden zurück. Er hatte zwar nicht die weitreichenden Kontakte und Wissensquellen wie der König aber als Werftleiter stand er mit vielen einflussreichen Stellen in Verbindung. Von keiner dieser Stellen hatte er auch nur einen Hinweis auf einen Krieg erhalten, den das Reich Gemini beginnen wollte. Er wüsste auch keinen Grund für einen Krieg. Mit den benachbarten Reichen gab es zahlreiche Handelsbeziehungen. Auch seine Werft bezog aus dem Reich Scorpio einige seltene magnetische Mineralien und vorwiegend aus dem Reich Libra nichtmagnetische Atome. Sollte es zu einem Krieg kommen, so würden diese Vorbereitungen, wozu auch seine Produktionssteigerung zählte, den benachbarten Reichen nicht verborgen bleiben. Wie sollte er dann noch die für die Produktion der Schiffe benötigten magnetischen Mineralien und nichtmagnetische Atome bekommen?
Über solche Auswirkungen würde der König wohl eher nicht nachgedacht haben, als er die neuen Vorgaben festlegte. Er sah durch die Öffnung zur Werft hinüber. Zahlreiche Greifarme sowie sonstige Mechanismen arbeiteten dort bereits im Akkord. Wie sollte er dies noch steigern? Die einzige Möglichkeit, die ihm einfiel, wäre ein Ausbau der Werft selbst. Aber das benötigte sehr viel Zeit. Und die Mitteilung besagte eine Produktionssteigerung und keinen Werftausbau. Er ließ die Mitteilung sinken, während sein Blick über die Werft glitt. Sie bestand aus drei verbundenen Materiebrocken sowie zwei weiteren, die als Materialbunker dienten. Sein Blick verharrte auf diesen beiden Materiebrocken. In ihren Kavernen lagerten die Bestandteile für den Bau der Schiffe aber auch Greifarme und Mechanismen als Reserve für einen Ausfall. Dann hatte er die Lösung für sein Problem. Die Reserve wurde aktiver Bestandteil der Werft und dadurch, dass Produktionszahl erhöht wurde, gab es auch weniger Materialvorrat für die Schiffe. Somit wurde ein Materiebrocken verfügbar. Die Werft würde die angeordnete Produktionssteigerung über eine Ausweitung erfüllen können. Es würde nur eine Periode dauern, bis die geforderten zehn Schiffe pro Periode gefertigt werden konnten. Als er später den Materiebrocken besichtigte, der nun produktiver Bestandteil der Werft wurde, vernahm er den tiefen Ruf des Universums. Er hatte ihn noch nie gehört, aber nur er konnte es sein. Schlagartig wurde ihm auch klar, warum der König die Produktionssteigerung angeordnet hatte. Er würde jedes Schiff brauchen, wenn sich ihr Reich in den inneren Kern aufmachen würde.

Beobachter
Sen ganzes Leben wartete er schon auf den tiefen Ruf des Universums. Er hatte schon die Hoffnung aufgegeben, als er ihn vernahm. Sofort saß er wieder an dem Fernfeld. Er hatte es erst kürzlich mit Cubanit verbessert. Das magnetische Mineral hatte er sich auf einem Händlermarkt besorgt. Es hatte ihn seine gesamten Ersparnisse gekostet, aber es verzehnfachte auch seinen Blick nach auswärts zum Rand des Universums hin. Nicht, dass er den sehen konnte, aber er wartete auf den tiefen Ruf und dem, was er von dort aus bringen würde. Früher hatte er Geschichten darüber geschrieben, die viel gelesen wurden. Zumindest in seiner näheren Umgebung. Im Reich Capricornus hatte er es nicht zu einer Berühmtheit gebracht. Aber daran lag ihm auch nichts. Es war eben nicht von Vorteil gewesen, vom drohenden Ende des Universums zu erzählen. Das wollte niemand hören. Zumindest die Kinder mochten seine Geschichten. Damals. Diese Zeiten waren lange vorbei. Geschichten schrieb er noch immer, aber sie lagerten nun in den Regalen an den Wänden seines Materiebrockens. Als er von seinen ehemaligen Nachbarn immer direkter aufgefordert wurde, wegzuziehen, hatte er diesen Materiebrocken gefunden. Er schwebte idealerweise am Rande eines größeren Clusters. Von diesem Materiebrocken aus hatte er einen sehr weiten Blick in Richtung des äußersten Randes des Universums. Genau das, was er gesucht hatte. Nun saß er seit Jahren am Fernfeld und beobachtete die Bewegungen der Materiebrocken im Fluid des Universums. Sie wurden letztendlich von den kleinen magnetischen Partikeln im Fluid beeinflusst. Diese wiederum von den Magnetfeldern, die vom oberen und unteren Rand des Universums ausgingen. Als er den tiefen Ruf vernahm, sah er immer wieder auf den Partikelzähler. Als dieser plötzlich eine ständig steigende Anzahl registrierte, wusste er, dass die Welle nicht mehr weit war. Trotz allem musste er zwei Perioden warten, bis sie im Fernfeld auftauchte. Sie war genauso, wie er sie sich immer vorgestellt und beschrieben hatte. Er war zwar nie ein Archivar gewesen, aber er wusste genug, um herauszufinden, wie diese Welle erzeugt wurde. Durch die Berührung des äußersten Randes des Universums wurde so etwas wie ein Kurzschluss zwischen dem oberen und unteren Rand ausgelöst. Dies hatte seiner Meinung nach zur Folge eine Verstärkung des Magnetfeldes. Diese würde vom äußersten Rand her geschehen und sich sehr schnell nach innen hin bewegen. Was wiederum die magnetischen Partikel von außen nach innen hin verschob. Und diese nahmen alle frei schwebenden Materiebrocken mit sich. Eine gigantische Welle würde entstehen. Davon hatten seine Geschichten erzählt. Sie würde gleichzeitig alle zwölf Reiche vernichten. Nun würden die Erwachsenen, die ihn nicht mehr in ihrer Nähe dulden wollten, durch die Realität eines besseren belehrt. Die Welle bestand in ihrem vorderen Teil aus grob zerbrochenen Materiebrocken. Weiter im Inneren würden diese groben Brocken immer kleiner zerrieben werden, da die gesamte Welle ja in ständiger Bewegung war. Sie rollte unaufhaltsam vom äußersten Rand des Universums zu dessen Mitte und vernichtete alles auf ihrem Weg. Der ihm bekannten uralten Prophezeiung nach sollte es einen Ausweg in ein anderes Universum geben. Aber daran glaubte er nicht. Wo sollte sich dieses andere Universum denn befinden? Es gab doch nur dieses eine! Nein, die Welle würde es durchrollen und alles darin in seine Bestandteile zerlegen. Und daraus würde sich letztendlich das Universum neu aufbauen. Seiner Theorie nach war dies auch nicht die erste Implosion des Universums, sondern eine von vielen. Aber egal ob er recht oder unrecht hatte, die Welle erreichte nun seinen Materiebrocken und er verschwand ohne einen weiteren Gedanken.

Sperrbereich
Schiff um Schiff, reihte sich in mehreren Reihen neben ihm auf. Von seinem Laufgang aus betrachtete er sie sehr genau. Im Fall eines Einsatzes mussten sie sofort einsatzbereit sein. Wobei dieser Fall noch nie eingetreten war. Für ihn war es ein Job wieder jeder andere auch. Einziger Unterschied zu fast allen anderen Jobs, er war als Einziger im Inneren dieses Sperrbereiches unterwegs. Alle anderen Verwalter hatten ihren Arbeitsplatz am Rande des Sperrbereiches. Aber die sahen auch niemals dieser Schiffe. Sie wussten nicht einmal, was sie verwalteten, den nur er selbst kannte den Inhalt des Sperrbereiches. Der König selbst hatte ihn eingestellt und zur Verschwiegenheit verpflichtet.
Die Schiffe ruhten, hier zwischen den Materiebrocken schon seit unzähligen Perioden. Sie waren damit zwar recht alt, aber nur selten hatte er ein Problem entdeckt. Er meldete diese Probleme dann bei den anderen Verwaltern mittels einer speziellen Nummer. Er konnte ja schlecht sagen, dass bei Schiff dreihundertsiebzehn eine Planke fehlte. Damit wäre die Geheimhaltung ja nicht mehr gewährleistet. Er gab beim Hinausgehen einfach ‹317-p7› an. Und wenn er seine nächste Schicht antrat und alle Schiffe wieder kontrollierte, war das Problem behoben. Es gab somit noch andere, die Zugang zu diesem Sperrbereich hatte. Gesehen hatte er sie aber noch nie. Eventuell, wenn er einmal ein so großes Problem meldete, dass dessen Behebung mehrere seiner Schichten brauchte. War noch nie vorgekommen, seitdem er hier seine Arbeit tat.
Einmal musste ein weiteres Schiff eingegliedert worden sein, denn auf einem vorher freien Platz lag nun eines gut vertäut. Dabei fragte er sich, wie ein neues Schiff in den Sperrbereich gebracht wurde, wenn die Verwalter an den Außenbereichen dies nicht mitbekommen sollten. Dies war aber nicht die einzige Frage, die er sich immer wieder stellte. Wozu wurden diese Schiffe gebraucht?
Niemand wusste um ihre Existenz, außer dem König, einigen Wenigen, die sie herbrachten und reparierten und ihm selbst, der sie kontrollierte. Der einzige Grund, den er sich für die Existenz dieser verborgenen Schiffe vorstellen konnte, war ein zukünftiger Krieg. Aber mit welchen der beiden benachbarten Reiche sollte Krieg geführt werden. Und vor allem warum? Das Reich Leo stand gut da. Seine Tochter lebte mit einem Mineralienhändler zusammen und so bekam er immer recht gute Informationen. Wenn es zu einem Krieg kommen sollte, so würden es die Mineralienhändler wohl als Erstes mitbekommen, denn sie durften als Einzige zwischen den Reichen reisen. Sie waren lebensnotwendig denn sie versorgten die Reiche mit allem, was fehlte. Und auf ihren Reisen in die benachbarten Reiche brachten sie auch recht viel an Neuigkeiten mit. Von Problemen, die auf einen zukünftigen Krieg hindeuten würden, hatte seine Tochter nichts berichtet. Vielleicht gab es ja noch einen anderen Grund für die Existenz dieser Schiffe. Wenn der König schon die Existenz dieser Schiffe geheim hielt, so würde er dies wohl auch, für einen möglichen Einsatz halten.
Er schob diese Überlegungen wieder zurück. Über eine Wendeltreppe stieg er eine Schiffsebene höher und lief weiter entlang der nächsten Reihe von Schiffen. ‹264-P82› notierte er. Ein gebrochener Mast. Solch ein Problem hatte er nun zum ersten Mal. Bis zum Ende seiner Schicht hatte er fünf Probleme gefunden.

Der innere Bereich
Spiralförmige Nebelfelder. Zuckende Blitze unbekannter Natur. Aber keine Materiebrocken. So sah der innere Bereich des Universums im Fernfeld aus. Und dies, seitdem er seinen Dienst hier an der innersten Reichsgrenze angetreten hatte. Vor nun mehr elf Perioden. Seitdem beobachtete er und notierte jegliche Veränderung. Und davon gab es reichlich. Der gesamte innere Bereich war einer unaufhörlichen Veränderung unterworfen. In regelmäßigen Abständen schoss er eine Sonde hinein und beobachtete, wie es ihr erging. Sie kamen unterschiedlich weit aber niemals so weit, dass er ihren Untergang nicht mehr beobachten konnte. Und er erfasste in einer großen Tabelle, wie es den Sonden erging, die vom inneren Bereich als Fremdkörper erkannt wurden. Die meisten Sonden verlor er durch die zuckenden Blitze. Wobei er deren Natur noch nicht ergründen konnte. Er hatte mit verschiedenen Atomen und auch Mineralien experimentiert aber nie hatte er solch einen Blitz erzeugen können. Und auch diese spiralförmigen Nebelfelder. Sie bewegten sich, und wenn eine Sonde in sie eindrang, löste sie sich auf. Erst hatte er vermutet, dass sie einfach im Inneren des Nebelfeldes verschwand. Spätere Versuche zeigten jedoch, dass auch bei dünnen Ausläufern der Nebelfelder, die Sonde nicht am anderen Ende wieder zum Vorschein kamen. Die Nebelfelder lösten die Sonden einfach auf. Auch dafür konnte er keine Ursache herausfinden. Er beobachtete nur und gab diese den Archivaren des Reiches Taurus. Aber auch dort hatte man noch keine Ursachen für die beobachteten Phänomene gefunden.
Ein leises Klicken machte ihn darauf aufmerksam dass sich ein benachbarter Materiebrocken, dem seinen zu sehr näherte. Es kam hin und wieder mal vor, das ein Materiebrocken den Gürtel der Wachschiffe durchbrach und auf der inneren Seite in den inneren Bereich vordrang. Aber wie die Sonden wurde er nicht weit von der Grenzschicht zerstört. Dieser nun war jedoch von seinem Materiebrocken angezogen worden. Damit es nicht zur Kollision kam, musste er ihn mittels einer Absorberstange auf Abstand halten. Es dauerte etwas, bis er die magnetischen Kräfte überwand, aber dann schwebte der Materiebrocken in den inneren Bereich hinein. Er sprang zu ihm hinüber. Ohne Grund, denn den hatte er nicht. Er war ein Archivar und wollte die Blitze und seltsamen Nebelfelder von nahem sehen. Periodenlang hatte er sie nur aus der Ferne ansehen können. Nun schwebte er langsam zwischen ihnen. Sie waren wunderschön anzusehen, und als eines von ihnen so nahe kam, dass es den Materiebrocken berührte, löste der sich auf.

Städtebauer
Langsam aber stetig schob sich der Materiebrocken in die vorgesehene Lücke hinein. Das Schiff krängte dabei ein wenig, denn die magnetischen Kräfte lagen am oberen Limit. Es war auch ein recht großer Materiebrocken. Er füllte die obere Lücke, der neuen Stadt und die Schwierigkeit, ihn dorthin zu bewegen bestand nicht direkt in seiner größeren magnetischen Kraft, sondern eher am mangelnden Platz, so nahe am unteren Rand des Universums. Sie wussten zwar, dass kein Materiebrocken jemals den oberen oder unteren Rand des Universums berühren konnte, aber, wenn der Materiebrocken einem Rand zu nahe kam, vergrößerte sich der magnetische Widerstand immens. Sie mussten also immer darauf Achten einen genügenden Abstand zu den Rändern einzuplanen. Bei den meisten Städten, die sie bauten, war das auch kein Problem. Kein Bewohner wollte so nah an einem Rand des Universums wohnen. Archivare waren da anders. Sie konnten nicht nah genug herankommen. Dies war auch das Problem, dem sie nun gegenüberstanden. Ihre Auftraggeber waren die Archivare des Reiches Aquarius. Und sie wollten eine Stadt nur für sich. Und da sie Archivare waren, hatten sie sich zwei Scheiben aus Materiebrocken als Stadt ausgedacht, die im Zentrum durch eine Kette von Materiebrocken verbunden waren. Zudem mit einigen Verbindungsröhren. Die Schwierigkeit lag in den beiden Scheiben aus Materiebrocken, die so dicht wie möglich jeweils am jeweiligen Rand des Universums liegen sollten. Materiebrocken wurden normalerweise von den Rändern des Universums abgestoßen. Je Näher desto stärker. Die Städtebauer bauten deshalb in die Materiebrocken weitere Eisenatome sowie spezielle Kombinationen magnetischer Minerale ein. Letztendlich sorgten diese dann für den nötigen magnetischen Gegendruck. Durch weitere zusätzliche Verbindungsröhren, den den Archivaren allerdings nicht gefielen, aber notwendig waren, verblieben die beiden Scheiben aus Materiebrocken einigermaßen dicht an den Rändern des Universums. Als die Städtebauer abzogen, hinterließen sie eine neue kleine Stadt.

Experimentalist
Seit vielen Jahren schon wartete er auf den tiefen Ruf des Universums. Als ehemaliger Archivar im Reich Cancer wusste er um die tieferen Geheimnisse um den tiefen Ruf. Er kannte den Signalverlauf des tiefen Rufs. Er hatte sich eingehend mit den Daten beschäftigt und auch Methoden angewandt, die unter den Archivaren verboten waren. Da er dem Fluid aufgeprägt war, musste er zwangsläufig immer schon vorhanden gewesen sein. Die Fragen, die sich ihm gestellt hatten, waren daher, ‹warum wurde er hörbar, wenn der äußerste Rand des Universums berührt wurde?› und ‹wo hatte er seinen Ursprung?› Er hatte auf seine erste Frage keine Antwort gefunden. Aber er hatte eine Ahnung, wo der tiefe Ruf seinen Ursprung hatte. Im Übergang des inneren Bereiches des Universums selbst.
Den Erkenntnissen der Archivare und auch der uralten Prophezeiung nach, weil etwas den Rand des Universums berührte. Daher nahm jeder Archivar auch automatisch an, dass er vom äußersten Rand des Universums auch ausging. Ihn hatte aber schon immer auch die Frage beschäftig, welcher Rand in der Prophezeiung eigentlich gemeint war. Der Obere, der Untere oder wirklich der äußerste, noch völlig unbekannte Rand, wie alle Annahmen? Auf diese letzte Frage hatte er aber nur eine teilweise Antwort erhalten, als er dieser Frage mittels seiner Apparate nachging. Was dann auch zu seiner Verbannung geführt hatte. Es war nicht nur für die Archivare undenkbar gewesen, den oberen oder unteren Rand des Universums berühren zu wollen. Zu groß war die Angst vor dem Untergang.
Von einem Turm aus den er sich vom Materiebrocken, in dem sich das Observatorium der Archivare befand, baute, hatte er versucht, den oberen Rand des Universums mittels selbstgebauter Apparate genauer zu untersuchen. Ohne erfolg. Seine Apparate wurden durch einen Widerstand abgehalten, der vom oberen Rand des Universums ausging. Sosehr er auch versuchte, seine Apparate so nah wie nur irgend möglich an den Rand zu bekommen, es gelang ihm nicht. Als er es dann beim unteren Rand ebenso versuchen wollte, hatten ihn die Archivare ergriffen. Ihn aber nicht an den König ausgeliefert, denn dann würden sie ebenso dem Tod anheimfallen wie er selbst. Denn sie hatten, indem sie es nicht verhindert hatten, ebenso gefehlt. Man hatte ihn daher heimlich verbannt und das Wissen, das er errungen hatte, behalten. Nun stand immerhin fest, dass es nicht die Berührung des Oberen und wahrscheinlich auch nicht die des unteren Randes des Universums war, die den Untergang einleiten würde. Es lag also wirklich nur am äußersten Rand, der eine Reaktion auf Berührung zeigen würde.
Und er hatte eine gewisse Ahnung warum und wieso das geschehen würde. Die Aufprägung des Signalverlaufes ‹6-E-Q-U-J-5› des tiefen Rufs im Fluid würde bei Berührung mit dem äußersten Rand des Universums einen Kurzschluss, zwischen dem oberen und dem unteren Rand des Universums bewirken. Der Signalverlauf im Fluid würde sich kurzfristig verstärken und somit hörbar werden. Der tiefe Ruf eben! Zugleich würde dieser Kurzschluss aber auch eine immense Verstärkung der magnetischen Feldstärke, die von den Rändern des Universums ausging, verursachen. Wodurch die magnetischen Partikel im Fluid zusammengedrückt und damit bewegt werden würden. Diese wiederum bildeten aber auch den Anker für alle Materiebrocken im Universum. Wanderten nun diese Anker aus magnetischen Partikeln, so würden sich auch alle Materiebrocken mitbewegen. Da diese Welle der erhöhten Magnetfeldstärke, vom äußersten Rand her, sich nach innen zum inneren Bereich des Universums bewegen würde, konnte man von einer Implosion sprechen. Alle Materiebrocken würden sich als gigantische Welle nach innen bewegen. Und dabei eine homogene Masse aus zerriebenen Gesteinspartikeln bilden, die alles vernichtete, was auf ihrem Weg lag. Diese Welle konnte nicht verhindert werden, aber er man konnte sie vielleicht nutzen.
Dazu hatte er sich weitab der königlichen Zitadelle, zum äußersten Rand des Universums hin, auf einem Materiebrocken eingerichtet und dort ein Forschungslabor eingerichtet. Anfangs hatte er daran gedacht, ganz zum äußersten Rand des Universums zu reisen, um dort sein Experiment abzuschließen. Aber dann wäre der Weg, den er vorhatte zurückzulegen, zu groß und gefährlich geworden. Die Wahrscheinlichkeit sein Vorgehen zu überleben wäre äußerst gering geworden. Er wollte den Untergang, sofern er sich zu seinen Lebzeiten ereignen sollte, ja überleben. Und er wusste auch schon, wie er das anstellen konnte. Als dann der tiefe Ruf ertönte, war er bereit zu dessen Entstehungsort zu reisen.
Er stieg in seinen eigens konstruierten stromlinienförmigen Wellenreiter und machte sich bereit. Starten brauchte er nicht, denn dafür war der Wellenreiter nicht konstruiert worden. Die Welle aus zerkleinerten Materiebrocken würde ihn einfach mitreißen und mittels der außen angebrachten Längsrippen würde sich der Wellenreiter inmitten der Welle in Strömungsrichtung ausrichten und mitziehen lassen. Seinen Überlegungen nach würde dies im hinteren Drittel der Welle geschehen. So würde er den inneren Bereich des Universums erreichen und durchqueren können. Letztendlich würde ihn die Welle, so direkt in den Übergang bringen. Und da die Welle schneller war als jedes Schiff in den zwölf Reichen, würde er letztendlich der Erste im Übergang sein.
Dass die Welle seinen Materiebrocken erreichte, spürte er überdeutlich. Sein Wellenreiter wurde plötzlich stark beschleunigt und nur die weiche nachgiebige Umhüllung verhinderte, dass er einfach an der hinteren Wand zerquetscht wurde. Nun lag alles nur noch an der Konstruktion seines Wellenreiters. In der Außenhaut waren unzählige Eisenmagnete zwischen einem Gitter aus Magnetit eingebaut, die alle magnetischen Mineralien auf Abstand zum Wellenreiter halten würden. So gedachte er den Wellenreiter, und somit auch sich selbst, vor einem zerriebenwerden in der Welle bewahren zu können. Als er einige Zeit später kaum noch ein Zunehmen der Geschwindigkeit spüren konnte, atmete er auf. Sein Wellenreiter funktionierte wie berechnet. Nur ein leises Schaben und Schleifen war zu hören. Ansonsten war es totenstill im Inneren des Wellenreiters. Schaben und schleifen? Er hatte die nichtmagnetischen Atome in den Materiebrocken unberücksichtigt gelassen, wurde ihm plötzlich klar. Sie kamen zwar nur in sehr geringen Mengen vor, aber diese würden mit ausreichend Zeit dazu führen, dass die Außenhülle des Wellenreiters aufgerieben wurde. Ihm wurde kalt vor Angst.

Konferenz der Könige
Es war Zeit. Der König schob den magnetischen Kristall in die entsprechende Aushöhlung im Prisma. Vorher hatte er den Raum, indem er die Konferenz der Könige abhalten würde, räumen lassen. Die elf Spiegel hatte er selbst aufgestellt. Sie standen in einem Kreis um das Prisma. Er selbst nahm den Platz des zwölften Spiegels ein. Konferenzen zwischen den Königen der zwölf reiche fanden des Öfteren statt. Aber noch nur einmal in der Vergangenheit hatte es eine Konferenz aller zwölf Könige gegeben. Der Grund lag in der zeitlichen Planung solch einer Konferenz. Wie sollte man einen Zeitpunkt angeben, den alle Könige gleichzeitig wahrnahmen. Es war schon schwierig genug, eine Konferenz mit zwei oder drei Königen gleichzeitig abzuhalten. Diesmal allerdings war es vorbestimmt. Jeder König eines Reiches kannte den Zeitpunkt für solch eine Konferenz aller Könige der zwölf Reiche. Exakt Einzwölftel einer Periode. Es war so weit. Der König schob den magnetischen Kristall in die Aushöhlung im Prisma und sofort kristallisierte sich ein Abbild von sieben Königen in ihren zugehörigen Spiegeln. Nur wenig später waren alle Könige abgebildet. Die Konferenz hatte begonnen.
Er sah von Abbild zu Abbild. Nickte bekannten Königen, mit denen er schon Kontakt gehabt hatte, andere ihm noch Unbekannte, beäugte er neugierig. So wie auch er von einigen gemustert wurde. Nur die Könige der benachbarten Reiche Gemini und Pisces kannte er. Die Könige der Reiche, Aquarius, Aries, Capricornus, Virgo, Cancer, Leo, Taurus, Sagittarius und Scorpio waren ihm unbekannt. Diese sah er nun zum ersten Mal. Ein König macht den Anfang.
«Der RUF des Universums ist erklungen, wie wir alle wissen», begann er die Konferenz. «Wir wissen alle, was es bedeutet. Also warum diese Konferenz?»
«Aufgrund uralter Übereinkünfte», antwortete ihn ein anderer König. «Aufgrund der Tatsache, dass ihr nun hier seid, wisst ihr dieses auch.»
«Uns läuft buchstäblich die Zeit davon», wandte ein weiterer König ein. «Laut Überlieferung soll hier und jetzt der weitere Ablauf der Flucht aller Reiche koordiniert werden.»
«Ha!», gab es einen lauten Einwand. «Es wird auf ein Gemetzel hinauslaufen!»
«Um genau das zu verhindern, sind wir nun hier», wurde dem König geantwortet.
«Ein Nichtangriffspakt?», wurde gefragt.
Es gab zustimmendes Gemurmel von vielen Königen.
«Es wird schwer werden, ihn einzuhalten», gab ein König zu bedenken. «Nicht nur die königliche Flotte ist auf der Flucht, sondern auch tausende von Schiffen. Bemannt mit Einzelnen aus unseren Völkern.»
«Die Flotten unterliegen der königlichen Disziplin», gab ein König zu. «Unsere Völker jedoch nicht.»
«Die Schiffe der königlichen Flotten, sind die schnellsten der Reiche», wurde eingebracht. «Aller Reiche! Es sollte also kein Problem darstellen, da sich letztendlich nur die Flotten gegenüberstehen werden.»
«Es wird einen Kampf geben», wurde leise gemunkelt. «Zuletzt wird sich jedes Reich der Nächste sein. Ihr kennt alle die dritte Zeile der Prophezeiung.»
«Soweit sollten wir noch nicht vordenken», wandte ein König ein. «Lasst uns einen Nichtangriffspakt beschließen und hoffen wir darauf, diesen so lange wie nur irgend möglich einzuhalten.»
«Ich schlage zusätzlich vor,, dasjenige Reich kompromisslos von allen anderen Flotten vernichten zu lassen, das als Erstes die Kampfhandlungen beginnt», schlug ein König aus der Runde vor.
«Ein guter Vorschlag», wurde von einigen Königen geantwortet.
«Dann ist es beschlossen?», wurde gefragt. «Nichtangriffspakt der Flotten sowie Vernichtung dessen, der zuerst Kampfhandlungen beginnt?»
Von allen Königen gab es Zustimmung. Auch er selbst nickte und gab sein «Ja» dazu. Die Abbilder in den Spiegeln verschwanden. Nur der König des Reiches Virgo blieb im Spiegel zurück. Fast genau gegenüber von seinem Standpunkt aus. Er hatte noch nie einen Kontakt mit dem Reich Virgo gehabt. Es lag dem seinen fast genau entgegengesetzt.
«Anfänglich wird man sich an das Abkommen halten», sagte er. «Zuletzt wird gekämpft werden. Gemäß der dritten Zeile der Prophezeiung, die da heißt: Das schnellste Reich sich retten kann.»
«Ich sehe das genauso», antwortete er ihm. «Hoffen wir auf ein gutes Durchkommen, trotz aller vor uns liegenden Schwierigkeiten.»
Als auch der letzte König als Abbild aus dem Spiegel verschwand, atmete der König des Reiches Libra tief durch. Während das Fluid ihn durchströmte, wurde ihm bewusst, dass mehr als nur schwierige Zeiten vor ihm lagen. Die nächsten vierzehn Perioden ging es für jedes Reich rein um das Überleben.

Aufbruch
Noch schlaftrunken tastete er nach dem Knopf, um die Verdunklung vor dem Fenster wieder aufzuheben. Ein tiefer Ton und damit einhergehend ein starkes Vibrieren durchzog den Materiebrocken. Es machte sich auch in seinem Magen bemerkbar. Er fühlte sich nicht wohl. Nachdem sich die Verdunklung vor dem Fenster zurückgezogen hatte, sah er unwillkürlich hinaus und erstarrte. Den Anblick des Universums kannte er, es war nichts, das man jedes Mal neu betrachtete. Es war einfach immer nur da. Nur diesmal gab einen Unterschied. Er trat näher ans Fenster heran und sah zum oberen Rand des Universums hinauf. Rund dreißig Meter über dem Materiebrocken war das langsame bläuliche Wallen der oberen Universumsbegrenzung durch extrem starke Turbulenzen in Aufruhr versetzt. Der tiefe Ruf! Dies musste er sein, denn es gab nichts Vergleichbares. Der tiefe Ruf war einmalig. Nun vernahm er auch aus anderen Fenstern verblüffte Ausrufe der Bewohner dieses Materiebrockens und den Hinweis auf die Prophezeiung. Er erinnerte sich an den Wortlaut der Prophezeiung.
Wird erreicht der Rand, der tiefe Ruf ertönt.
Frei der Bereich des Übergangs.
Das schnellste Reich sich retten kann.
Vor der Implosion in ein benachbartes Universum.
Wenn sie stimmte, und das nahm er bei diesem Ereignis an, musste irgendwo in den Tiefen des Universums der seitliche Rand erreicht worden sein. Und das, obwohl jedes Reich eine Expansion verboten hatte. Eben um diesen seitlichen Rand niemals zu erreichen und damit den Untergang einzuleiten. Denn die Prophezeiung beschrieb diesen Untergang ohne jeden Zweifel. Sofort zog er seine Kleidung an, griff sich seinen Rucksack und holte das Seil heraus. Dieses befestigte er am Fenster und warf es nach unten. Es zählten vielleicht nur Minuten um sich retten. Er seilte sich ab und erreichte so sein Schiff. Dieses hatte er wie immer direkt unterhalb seiner jeweiligen Wohnstätte geparkt. Eine Angewohnheit, die er von seinen Erzeugern übernommen hatte. So war er immer schnell wieder unterwegs, sollte es notwendig werden. Nun schien es sich auszuzahlen. Wenig später steuerte er sein Schiff inwärts zum inneren Zentrumsbereich.Der Prophezeiung nach war sie mit dem Ertönen des tiefen Rufs frei zugänglich. Und nur dort würde es Rettung geben. Vorausgesetzt sein Schiff war schnell genug und konnte inmitten aller anderen Schiffe des Reiches Libra als Erstes den Übergang erreichen.
Wie er bei einem kurzen Rundblick erkennen konnte, waren bereits einige Schiffe aus allen Reichen unterwegs zum Zentrumsbereich. Wie er, hatten auch sie die letzten Monate lang, die Berichte aus den Außenbereichen analysiert und erkannt, dass das Erreichen des Randes des Universums nur noch eine Frage der Zeit war. Nun war es eingetreten. Ein Schiff aus einem der zwölf Reiche hatte sich so weit auswärts gewagt und den Rand des Universums berührt. Dies schien ausreichend gewesen zu sein, um die Prophezeiung auszulösen. Nun begann das Universum zu implodieren und die einzige Fluchtmöglichkeit führte durch den Zentrumsbereich und den dort befindlichen Übergang in ein anderes Universum. In der Ferne konnte er den sogenannten blinden Fleck ausmachen. Genau dort lag das Zentrum des Universums. Ein Bereich, den man nicht sehen konnte, wie sonst alles im Universum. Nicht das man quer durch das ganze Universum blicken konnte aber doch extrem weit. Nur eben der Zentrumsbereich verweigerte sich. Wahrscheinlich aufgrund des Überganges, wie immer der auch aussehen würde. Er hatte das Ziel es herauszufinden. Er richtete die magnetische Ausrichtung seines Antriebes noch ein wenig besser dem magnetischen Fluss des Fluids aus und gewann noch ein wenig mehr an Geschwindigkeit. Würde es ausreichen?

Grenzübergang
Die Grenze zum inneren Bereich kam in Sichtweite. Hier nahe am inneren Bereich gab es zahlreiche Materiebrocken. Sehr vielmehr als sonst wo im Reich. Alle bewohnt oder mit Fabriken versehen. Zahlreiche Brücken spannten sich zwischen ihnen. Der größte Teil der Bevölkerung des Reiches Libra lebte hier. Dazu gab es zwar eigentlich keine Notwendigkeit, aber jedem war die Prophezeiung geläufig. Und diese hatte sich unauslöschlich tief ins Bewusstsein eingegraben. Allerdings nur was das Wohnen am Rand zum inneren Bereich betraf. Jetzt wo der Ruf durch das Universum hallte, war jeder auf der Suche nach einem Schiff. Das jedoch hatten nicht viele. Er hatte nun den Grenzbereich erreicht und hoffte unbeschadet zwischen den Wachschiffen hindurchzukommen. Und zwar ohne aufgehalten zu werden. Als die Wachschiffe vor ihm auftauchten, erkannte er sofort, dass er sich vor ihnen nicht in acht nehmen brauchte. Sie verharrten an Ort und Stelle. Als wenn sie abgeschaltet waren. Was die zweite Zeile der Prophezeiung ja auch aussagte. Obwohl - die Prophezeiung bezog sich ausschließlich auf den inneren Bereich des Universums. Nicht auf den Grenzbereich davor. Er war sich deshalb nicht sicher gewesen, ob das auch die automatischen Wachschiffe betraf. Auch wenn diese vielfach so alt wie das Reich selbst waren. Es gab unter ihnen auch Neubauten. Aber auch diese standen still. Er huschte mit seinem Schiff in Höchstgeschwindigkeit durch den Grenzbereich der Wachschiffe.
Erst jetzt wagte er es, den Blick auch nach hinten zu richten. Die Wachschiffe, die ihm am nächsten waren, verharrten und beachteten sein Schiff nicht. Hinter der Grenze türmte sich der Wall aus Materiebrocken auf. Dort gab es Bewegung. Hauptsächlich auf den Materiebrocken selbst. Nur wenige Schiffe folgten ihm. Seine vorausschauende Lebensweise zahlte sich nun aus. Von klein auf hatten seine Erzeuger darauf geachtet, dass er verstand, wie wichtig es war, immer am Rand zum inneren Bereich zu verbleiben. Und das Schiff der Familie ständig in Ordnung zu halten. Zuletzt hatte er dies seinen Erzeugern noch einmal, in dessen Sterbeprozess versprechen müssen. Er hatte sich daran gehalten. Diejenigen, die ihn bisher immer verspottet hatten, bewegten sich nun panisch zwischen den Materiebrocken auf der Suche nach einem Schiff. Ihnen konnte und wollte er nicht helfen. Er wandte seinen Blick wieder voraus. In Richtung Zentrum des Universums. Der blinde Fleck, der das Zentrum des Universums bildete, war nicht zu sehen, denn es befanden sich zahlreiche spiralförmig aussehende Nebelfelder in der direkten Sichtlinie. Selbst mit dem Fernsehkristall, den er mittels einiger Atome Fayalit verbessert hatte, konnte er nichts weiter erkennen. Eine bessere Sicht damit hatte er jedoch in Richtung der Nachbarreiche Pisces und Gemini. Dort waren bereits einige Schiffe mehr in den inneren Bereich des Universums eingedrungen.

Schiffsflotten
Von seinem Schiff fehlte inzwischen der vordere Teil des linken Auslegers. Er war zwar Vorsicht gewesen und den spiraligen Nebelfeldern immer ausgewichen. Auch wenn er anfangs, um deren Gefährlichkeit nichts wusste. Spätestens als er eine solche Wolke streifte, erkannte er deren Gefährlichkeit. Auch die immer wieder auftretenden Blitze schienen nicht ungefährlich zu sein. Sie spannten sich blitzschnell zwischen den oberen und unteren Rand des Universums und waren schon in der nächsten Sekunde wieder verschwunden. Sie traten allerdings nicht oft auf. Jedoch die Nebelfelder schon. Aber zwischen ihnen gab es sehr große Lücken, sodass es eigentlich kein Problem darstellte, ihnen auszuweichen. Man musste nur wach bleiben! Da er aber die komplette Besatzung seines Schiffes darstellte, war das schwierig. Anfangs waren die Lücken zwischen den Nebelfeldern noch groß genug, um auf dem stillstehende Schiff einige Zeit zu schlafen. Die Lücken wurden nun jedoch langsam immer kleiner. Und damit fehlte ihm immer mehr Schlaf. Er brauchte eine Lösung für dieses immer größer werdende Problem.
Ein weiteres Problem tauchte weit hinter ihm auf. Aus dem Reich tauchten immer mehr Schiffe auf, die in den inneren Bereich des Universums eindrangen. Wie auch er, hatten sie alle dasselbe Ziel. Das Zentrum, in der sich der rettende Übergang befand. Der Übergang, der dem schnellsten Reich in ein benachbartes Universum brachte. Zumindest versprach es die Prophezeiung. So ganz konnte er dem aber nicht glauben. Das Reich Libra verfügte seinen Informationen nach über dreißigtausend Schiffe. Wahrscheinlich eher mehr. Da sich vor ihm eine größere Lücke auftat, widmete er sich neben der Steuerung des Schiffes seinem Experiment mit dem Fernfeld. Um eine Chance zu haben, das Zentrum des Universums vor allen anderen Schiffen zu erreichen, brauchte er eine gute Übersicht über die Entwicklung. Er hatte ein Fernfeld so mit einem Partikelzähler und Flussmesser, die er mit Atomen aus Hausmannit manipuliert hatte, verbunden, dass es der Krümmung der Magnetfeldlinien um das Zentrum herum folgte. Allerdings bei der noch zu großen Distanz zum Zentrum nur zur Hälfte. Im Reich Virgo, das dem Reich Libra fast entgegengesetzt lag, hatte er auf seinen Reisen durch die Reiche einen Gleichgesinnten gefunden. Auch er hatte auf den Ruf gewartet und war gewillt das Zentrum als Erster zu erreichen. Unter dem Pseudonym ‹Nordlichter› hatten sie ein Experiment begonnen, das sie nur zusammen durchführen konnten. Und nun war es so weit. Er aktivierte das modifizierte Fernfeld, so wie es weit entfernt sein Gleichgesinnter tat. Knisternd baute sich eine magnetische Scheibe über dem Fernfeld auf. Und tatsächlich, nicht nur seine Hälfte war klar zu erkennen, sondern auch die andere. Sein Gleichgesinnter hatte das Experiment ebenfalls aktiviert.
Auf der magnetischen Scheibe tauchten zahlreiche Punkte auf. Mittels eines eingebauten Punktezählers sparte er sich das manuelle Auslesen und ließ sich die Anzahl direkt als Zahl einblenden. Was er sah, überraschte ihn. Er hatte mit vielen Schiffen gerechnet, die aus allen Reichen aufbrachen. Aber nicht mit so vielen. Es waren nicht tausende, wie er gedacht hatte, sondern Zehntausende. Aus dem Reich Aquarius vierunddreißigtausend, achtundzwanzigtausend aus dem Reich Pisces, sechsunddreißigtausend aus dem Reich Libra, vierzigtausend aus dem Reich Gemini, siebenunddreißigtausend aus dem Reich Scorpio. Mit zweiundvierzigtausend Schiffen bot das Reich Sagittarius die größte Flotte auf. Die Reiche Taurus, Cancer und Capricornus waren mit neunundzwanzigtausend Schiffen zum Zentrum unterwegs. Achtunddreißigtausend aus dem Reich Virgo und einunddreißigtausend aus dem Reich Aries. Vierhundertzehntausend Schiffe hatten sich aufgemacht, das Zentrum des Universums zu erreichen. Und nur ein Reich oder ein Schiff, würde es tatsächlich durch den Übergang, in ein benachbartes Universum schaffen.

Scharmützel
Einige Perioden später hatte er sein Experiment nochmals verbessert. Es hatte ihn etwas Zeit gekostet, war aber notwendig. Zeit war eigentlich etwas, das er nicht verschleudern durfte. Er sah es jedoch als notwendig an. Denn nur mit genauer Beobachtung konnte er in dem zukünftigen Chaos, hoffentlich sein Ziel unbeschadet erreichen. Sein Schiff war zwar schnell und auch eines der Ersten im Zentrumsbereich gewesen aber es gab reichlich Schiffe, die sehr viel schneller als seines waren. Hauptsächlich die Schiffe der königlichen Flotte. Er hatte die magnetische Scheibe über dem Fernfeld, um mehr als das Doppelte vergrößert. Ob sein Gleichgesinnter im Reich Virgo ähnlich agierte, war ihm unbekannt. Dass er jedoch bei diesem Experiment dabei war, war eine Tatsache. Denn sonst würde er nur etwa die Hälfte des Zentrumsbereiches des Universums auf der magnetischen Scheibe abgebildet bekommen. Aber er sah den kompletten Zentrumsbereich. Das funktionierte leider nur hier in der Nähe des Zentrums, denn er nutze die magnetischen Feldlinien, die hier zum Zentrum hin sich um den inneren Kern herumzogen. Zum Außenrand des Universums hin würde sich das abgebildete Sichtfeld immer mehr verkleinern. Aber dorthin war er nicht unterwegs.
Was er sah, erschreckte ihn ein wenig. Seit Ewigkeiten kannte man die Prophezeiung aber, soweit er das mitbekommen hatte, waren nur wenige aus den Reichen vorbereitet gewesen. Aber so wie er es nun mitbekam, stimmte das ganz und gar nicht. Zwölf riesige Armadas von Schiffen waren unterwegs zum Zentrum des Universums. Wobei die Reiche Cancer und Virgo schon am weitesten vorgedrungen waren. Das Reich Libra und Aries waren weitabgeschlagen. In seinem Bauch bereitete sich ein dumpfer Schmerz aus. Denn wenn er zurückblickte, sah er bereits in der Ferne die königliche Flotte des Reiches Libra herankommen. Mit bloßem Auge! Das bedeutete, dass seine Chancen den Übergang im Zentrum des Universums rapide sanken. Sein Schiff war nicht schnell genug. Die königliche Flotte näherte sich recht schnell und schon bald brauste ein Flottenschiff an dem seinen vorbei. Er schoss den vorbereiteten Magnethalter am Seil ab und ließ sich vom Flottenschiff mitziehen. Dessen Besatzung bekam das mit, unternahm aber nichts. Allerdings ließ man ein Besatzungsmitglied an der Reling sein Schiff beobachten. Später beobachtete er, das viele Flottenschiffe andere langsamere Schiffe mit sich zogen. Der König hatte anscheinend die Absicht so viele Schiffe wie möglich mit ins Zentrum zu nehmen. Da er sich nun erst einmal nicht mehr um die Steuerung kümmern musste, sah er sich die Armadda von Schiffen hinter sich genau an. Hin und wieder begann ein Schiff zu brennen an. Viele Schiffe wurde Opfer der Blitze. Noch viele mehr verschwanden in den Nebelfeldern und tauchten nicht mehr auf. Die Verlustrate war sehr hoch. Was ihn am meisten überraschte, waren jedoch vereinzelte Scharmützel unter den Schiffen der Flotte. Schiffe wurden in Nebelfelder abgedrängt oder es wurden ihre Antriebe zerstört. Hin und wieder wurde ein Schiff von einem anderen übernommen und die Besatzung ins Fluid geworfen.

Zersplitterung
Um ihn herum befand sich ein Chaos aus Schiffstrümmern und Herumtreibenden. Vor Kurzem hatte er sich von dem seinen Schiff ziehenden Flottenschiff getrennt. Es hatte sich im Laufe der letzten Perioden immer weiter zurückfallen lassen. War dabei allerdings immer noch schneller als viele andere Schiffe des Reiches Libra. Das Flottenschiff folgte anscheinend dem Rotationszyklus der königlichen Flotte. Die vorderen Flottenschiffe ließen sich seitlich zurückfallen, um dann am Ende, durch die Mitte wieder nach vorne zu kommen. Wobei das königliche Schiff gut geschützt in dieser Mitte verblieb. Sein Schiff befand sich nun hinterem Ende, als er den magnetischen Halter deaktivierte und einholte. Es machte für ihn keinen Sinn mehr. Er brauchte dazu nur auf die magnetische Scheibe vor ihn zu blicken. Das Reich Libra lag weit zurück gegenüber allen anderen Reichen. Seitlich konnte er mittels der Fernsicht bereits die Armada des benachbarten Reiches Pisces ausmachen. Sie lag vor der ihren. Zur anderen Seite hin, konnte man die Armada des Reiches Gemini nur auf der magnetischen Scheibe ausmachen. Sie befand sich noch weiter in Richtung des Zentrums hin. Und noch sehr viel näher zum Zentrum hin befand sich die Armada des Reiches Cancer. Für sein Schiff uneinholbar. Er zitterte etwas vor Frustration, denn seine Existenz würde nur noch zehn Perioden andauern und dann enden.
Erst als ein magnetischer Anker sein Schiff an ein Benachbartes fixierte, kam wieder etwas Leben in ihm zurück. Bevor er sich bewusst wurde, was vorging, wurde er ebenfalls fixiert. Er war geentert worden!
«Zu komplizierter Antrieb, um ihn selbst in Gang zu halten», hörte er einen der Piraten sprechen. «Wir brauchen ihn.»
Er wurde hochgezerrt und sah sich einem Piraten direkt gegenüber.
«Du wirst mein Schiff steuern», vernahm er und wurde unter Bewachung zur Steuerung gebracht.
Währenddessen sahen sich die Piraten auf seinem Schiff um. Erst als er den Befehl zum Weiterfahren missachtete, bekam er einen harten Schlag in die Seite. Es tat höllisch weh und er befolgte den erhaltenen Befehl und steuerte das Schiff der Piraten. Etwa zwei Dutzend Schiffe hatten die Piraten geentert. Nach einer Periode wurde ihm klar, was hier ablief. Die Piraten hatten schnell erkannt, dass sie mit einzelnen Schiffen nicht weit kommen würden. Also hatten sie vorbeikommende Schiffe geentert und fuhren nun als Gruppe. Aber das half nur, bis sie auf eine andere Gruppe von Schiffen stießen. Die Besatzungen ignorierten sich anfangs. Erst als einige Schiffe der benachbarten Gruppe durch Blitze zerstört wurden, kippte diese Ignoranz und machte einem kurzen und heftigen Kampf platz. Zurück blieben viele zerstörte Schiffe. Darunter auch sein Eigenes. Ein größerer Heckbereich blieb ihm von seinem Schiff übrig. Zu seinem Glück bedingt steuerbar. Da er immer noch mit der zuletzt erreichten Geschwindigkeit voran fuhr, konnte er den spiraligen Nebelwolken ausweichen. Währenddessen schoben sich tausende Schiffe des Reiches Libra an ihm vorbei. Dabei beobachtete er wie das einst homogene Reich Libra in zahlreiche kleine und große Gruppen zersplitterte. Die größte Gruppe war noch immer die königliche Flotte. Diese befand sich aber nur noch ein wenig vor den restlichen Schiffen des Reiches. Sie war zurückgefallen.

Die Reiche zerfallen
Er hatte seine magnetische Scheibe im Kampf verloren. Entweder vernichtet oder aber sie trudelte irgendwo durch das Fluid. Somit hatte er den Überblick verloren den über Zentrumsbereich verloren. Inzwischen waren er aber dem Zentrum des Universums so nahe gekommen, dass die Flotten der zwölf Reiche in Sichtweite zueinander kamen. Er konnte sogar schemenhaft die Flotte des Reiches Scorpio in der Ferne erkennen. Sie schien fast auf gleicher Entfernung zum Zentrum zu liegen. Die Flotte des Reiches Pisces lag hinter ihm auf der anderen Seite des Schiffswracks. Alle anderen Flotten lagen zu weit entfernt, um ohne Fernsicht wahrgenommen werden zu können. Hin und wieder zog ein Schiff vorbei, aber sosehr er winkte und um Mitnahme bat, man lies ihn zurück. Da er nicht der einzige Schiffbrüchige war, konnte er dieses Verhalten überall beobachten. Schiffbrüchige wurden zurückgelassen, da sich jedes Schiff nur noch um sich selbst kümmerte. Im Laufe der nächsten Perioden lösten sich nach und nach auch die Gruppen auf. Das Reich Libra zerfiel und nur einzelne Schiffe mit deren Besatzungen verblieben. Und er selbst auf seinem Wrackteil. Irgendwann zog auch das letzte Schiff aus dem Reich Libra an ihm vorbei. Für ihn war es aussichtslos geworden, überhaupt noch das Zentrum des Universums zu erreichen. Und wenn ehrlich gegenüber sich selbst blieb, so hatte er dies tief im Inneren auch schon seit Anbeginn an gewusst.
Seine umgebaute Rennjacht hielt sich sehr gut im vorderen Feld des Reiches Virgo. Nicht weit entfernt aber seitlich, zogen die letzten Schiffe aus dem benachbarten Reich Cancer vor ihm her. Auf der magnetischen Scheibe, eine Erfindung eines Gleichgesinnten aus dem Reich Libra konnte er die Positionen der Schiffe aller Reiche sehr gut beobachten. Er hatte ihn damals für einen Spinner gehalten, aber die Modifizierungen an seinem Fernfeld dann doch durchgeführt. Man konnte ja nie wissen. Es hatte sich ausgezahlt zu wissen, wo sich größere Gruppen von Schiffen vor ihm aufhielten. Oder wo recht schnell Schiffe verschwanden. Letzteres waren orte an denen viele Blitze auftauchten. So konnte er sich den gefährlichen Stellen im Zentrumsbereich entziehen. Während seiner Flucht hatte es sich plötzlich um die Hälfte erweitert und ihm einen kompletten Blick auf die Flotten der zwölf Reiche im Zentrumsbereich ermöglicht. Bis es vor wenigen Augenblicken teilweise ausviel. Dem Anschein nach war entweder bei seinem Gleichgesinnten die modifizierte Fernsicht ausgefallen oder aber sein Schiff war vernichtet worden. Er verschob einige Atome Augit an der Bordwand und gewann wieder eine Winzigkeit mehr an Geschwindigkeit. In der letzten Periode hatten sich einige Reiche schneller, anderer wiederum langsamer vorwärtsbewegt. Zudem hatte er herausgefunden, dass sein Flussmesser, der die Stärke des Magnetfeldes des Universums maß, schwankende Werte anzeigte. Auch die Anzahl der magnetischen Partikel im Fluid hatte sich erhöht, wie es ihm sein Partikelzähler zeigte. Der innere Zentrumsbereich ändert sich zusehends. Das Reich Cancer lag noch immer an der Spitze aller Flotten der zwölf Reiche. Die Flotten der Reiche Aquarius und Pisces hatten ihre Positionen gewechselt. Aus irgendeinem unbekannten Grund war das Reich Aquarius zurückgefallen. Zurückgefallen war auch das Reich Libra, in dem sich sein Gleichgesinnter aufhielt. Oder aufgehalten hatte.

Verschmelzung
Er sah keine Schiffe mehr. Weder hinter noch vor sich. Auch zu den Seiten, obwohl man so nahe am Zentrum des Universums von Seiten kaum noch sprechen konnte. Das Zentrum lag in Sichtweite der Fernsicht. Ein merkwürdiger Ort. Dort gab es kaum noch diese gefährlichen spiraligen Nebelfelder, dafür aber zahlreiche Blitze. Es wirkte noch immer wie ein blinder Fleck aber doch konnte man mehr erkennen, als wenn man noch weiter entfernt war. Es kräuselte sich dort und er bekam das Gefühl, das sich das Universum dort nach oben und unten hin erweiterte. Es lag noch nicht lange zurück, als das unzählige Schiffe an seinem Wrackteil vorbeigekommen waren. Keines hatte ihn aufgenommen. Er konnte es verstehen als er die Zweikämpfe zwischen den Schiffen und auch auf den Schiffen beobachten konnte. War die Flucht vor dem Untergang des Universums zu beginn noch abstrakt und fern gewesen, so änderte es sich immer mehr, je näher sie dem Zentrum des Universums kamen. Zudem kamen nun auch die Schiffskämpfe zwischen den benachbarten Reichen dazu. Das einst unbegrenzte Universum war klein geworden. Er fragte sich, wie ein Reich mit seinen Schiffen den Übergang schaffen wollte, wie es der dritte Satz ‹das schnellste Reich sich retten kann› der Prophezeiung aussagte. War damit wirklich ein komplettes Reich gemeint?
Hinter ihm baute sich eine Mauer aus Schiffen auf. Auch seitlich vor ihm, zu seiner rechten, baute sich eine Wand aus Schiffen auf. Das Reich Cancer lag dort mit all seinen Schiffen, vor dem Reich Virgo. Aber er hoffte noch auf eine Rettung, denn ihm war der dritte Satz der Prophezeiung in den Sinn gekommen, demnach sich das schnellste Reich retten konnte. Er hatte sich überlegt, wie der Übergang erkennen wollte, welches Schiff, zu welchem Reich gehörte? Seine Rennjacht war schnell und er verbesserte sie ständig, um noch schneller voranzukommen. Es würde nicht lange dauern und er wäre inmitten der Flotte des Reiches Cancer. Da dieses, laut seiner leider nur noch halb funktionierenden Magnetscheibe, an vorderster Position lag, würde er sich retten können. Seinen Überlegungen nach war er dann ein Bestandteil des führenden Reiches und würde den Übergang in das benachbarte Universum schaffen. So wie zu Beginn die zwölf Könige, als sie dieses Universum erreichten, ihre jeweiligen Reiche aufgebaut hatten.

Implosionswelle
Er hatte geschlafen wie so oft in den vergangenen fünf Perioden und wachte bei einem murmelnden Geräusch auf. Das war neu. Er blickte sich um. Dann sah er, entgegengesetzt zum Zentrum, etwas in der Ferne. Eine weitere Flotte von Schiffen? Nachzügler des Reiches, die neue Schiffe gebaut oder versteckte gefunden hatten? Nein. Dazu war die Wand, die er erkennen konnte zu homogen. Eine lange Zeit verbrachte er vor dem Fernfeld und beobachtete die Wand. Denn nichts anderes war es. Eine Wand aus den Bruchstücken von Abermillionen von Materiebrocken. Er wusste sofort, um was es sich handelte. Es war die Implosionswelle des Universums, die er dort sah. Und sie näherte sich unaufhaltsam. Aber etwas war seltsam an ihr. Ihre Bewegung war extrem langsam und das konnte nicht sein. Sie sollte eigentlich irrsinnig schnell unterwegs sein. Aber es schien ihm, als wenn sie gemächlich heranrollte. Irgendwann brauchte er das Fernfeld nicht mehr. Die massiv wirkende Wand schob sich unaufhaltsam auf ihn zu und erst jetzt begriff er, dass sie dabei immer schneller wurde, je näher sie sich ihm und damit auch dem Zentrum des Universums näherte. Sie unterlag anscheinend einem Zeiteinfluss, der vom Zentrum ausging. Oder die Flotten der zwölf Reiche unterlagen ihm, während die Implosionswelle, dem nicht unterlag. Es war eigentlich auch völlig egal. Er konnte nicht weg und die Implosionswelle näherte sich unaufhaltsam. Wie eine Wand schob sie sich immer schneller auf ihn zu und dann war es so weit. Sie erreichte das Wrackteil. Schob es anfangs, eine Weile vor sich her und fraß dabei immer mehr vom ihm weg. Er selbst hatte Zuflucht am anderen Ende des Wrackteils gesucht. Diese Zuflucht wurde aber innerhalb weniger Sekunden von der Welle aus zerkleinerten Materiebrocken verschluckt. Und er mit ihr. Sein Rennen war zu Ende.

***

Die Darstellung auf der magnetischen Scheibe über dem Fernfeld hatte sich wieder verändert. Konnte er anfangs noch alle zwölf Reiche übersehen, so hatte es sich vor einigen Tagen ausgehend vom Reich Virgo auf nur sechs Reiche reduziert. Cancer, Leo und Taurus zur Rechten sowie Capricornus, Aries und Aquarius zur Linken. Nun reduzierte sich die Übersicht abermals. Aber nicht in der Form, dass Reiche verschwanden, sondern die Darstellung reduzierte sich aus den ehemaligen Reichen kommend. Zuerst dachte er, die Scheibe verkleinerte sich aber es war nicht die Scheibe, die sich verkleinerte, sondern das Universum. Was er beobachten konnte, war die Implosionswelle, die sich nun in den inneren Bereich des Universums hineinschob. Nun wo er das finale Ende des Universums sich nähern sah, wurde ihm etwas anders. Bisher war es nur eine Prophezeiung, eine Flucht auf einer Rennjacht gewesen nun aber optisch erkennbar. Er richtete ein Fernfeld rückwärts, konnte aber aufgrund der zahlreichen Schiffe nichts erkennen. Aber nicht mehr weit entfernt von den letzten Schiffen schob sich unaufhaltsam die Implosionswelle immer näher heran. Dies bedeutete aber auch, das es die zwölf Reiche, wie er sie kannte, nicht mehr gab. Er hatte mit seinem Schiff inzwischen die Flotte des Reiches Cancer erreicht. Hin und wieder wurde er mit magnetischen Haltern beschossen aber er hatte um sein Schiff herum, ein antimagnetisches Feld aufgebaut. Schwach zwar nur aber ausreichend für diese Art von Angriffen. Er hatte noch etwa vier Perioden Zeit um sich näher an das vordere Ende der Flotte vorzuarbeiten.

Blitzinferno
Die Flotten der Reiche Cancer und Virgo, sowie wahrscheinlich auch vieler weiterer Reiche, waren nun nicht mehr auseinanderzuhalten. Damit war seine Annahme, wie sie die dritte Zeile der Prophezeiung versprach, ‹das schnellste Reich sich retten kann›, nicht weiter haltbar. Wo begann und wo endete denn nun ein Reich? Das schnellste Reich hieß es, würde den Übergang durchqueren können. Als Schiff des Reiches Virgo war er nun inmitten der Schiffe aus dem Reich Cancer. Gehörte er damit, aus Sicht der Prophezeiung, auch zum Reich Cancer? Ihm kamen immer mehr Zweifel daran. Ihm wurde klar, dass anscheinend doch nur die schnellsten und damit ersten Schiffe den Übergang durchqueren konnten, bevor die Implosionswelle sie einholte. Seine Rennjacht musste also noch schneller werden. Er sichtete die Gruppierungen, seiner zusätzlichen magnetischen Atome im Rumpf der Rennjacht. Aber die waren bereits optimal angeordnet. Schneller als derzeit würde er seine Rennjacht nicht bekommen. Ihm blieb nur die Hoffnung auf Fehler der vor ihm befindlichen Schiffe oder auf die Naturgewalten hier im inneren Zentrumsbereich des Universums. Die spiraligen Nebelwolken gab es allerdings kaum noch. Hauptsächlich nur noch die Blitze. Und Letztere begannen nun, sehr viel häufiger aufzutauchen. Wobei sie jedes Mal ein Schiff vernichteten.
Es wurde blitzartig immer heller vor ihm. Erst sah er es nur vereinzelt, dann aber immer Häufiger. Die Blitze nahmen nicht nur an Intensität, sondern auch an Häufigkeit zu. Und die Flotten wurden immer mehr reduziert. Wodurch aber auch das Problem der Trümmerteile auftauchte. Diese wurden schlagartig immer mehr. War es schon schwierig gewesen den Schiffen auszuweichen, so wurde es bei den immer mehr werdenden Trümmern fast aussichtslos. Den kleinen Trümmern wich er schon gar nicht mehr aus und den Größeren, so gut er es konnte. Die Blitze schlugen nun auch neben seiner Rennjacht ein. Wenig später befand er sich inmitten eines Infernos von Blitzen. Sein Schiff wurde aber nicht getroffen, bis dann ein Blitz in das genau vor ihm befindliche Schiff einschlug. Zum Ausweichen blieb keine Möglichkeit mehr. Seine Rennjacht krachte genau auf das eben vom Blitz getroffene Schiff auf. Da er es hatte kommen sehen, war er vor dem Aufprall in seiner kleinen, als Schutzraum umgebauten Kabine, verschwunden. Durch die verglaste Eingangsöffnung musste er nun mit ansehen, wie sein Schiff auseinanderbrach. Aber damit nicht genug. Drei Zyklen des Ausharrens später sah er die Implosionswelle von hinten auf sich zukommen. Die Kabine hielt dem ersten Ansturm, der Unmengen an kleinen Partikeln der in der Explosionswelle zerriebenen Materiebrocken stand. Der Rest seiner Rennjacht jedoch nicht. Als dann auch seine kleine Kabine begann sich aufzulösen, sah er einen länglichen stromlinienförmigen Schatten, inmitten der Implosionswelle vorbeirasen. Was war das denn? Eine Antwort fand er nicht mehr, denn nun wurde auch die kleine Kabine mitsamt Inhalt von der Implosionswelle zerrieben.

***

Die einzelnen Flotten der zwölf Reiche bildeten inzwischen eine einzige Flotte von unzähligen Schiffen. Auch wenn schon viele zerstört waren, so blieben noch ausreichend übrig, um das Universum vom oberen bis zum unteren Rand auszufüllen. Und auch den Raum seitlich in beide Richtungen komplett auszufüllen. Von den ehemaligen Reichen existierten nun noch die Namen. Für die Besatzungen auf den Schiffen inzwischen bedeutungslos geworden. Sie kämpften um die vordersten Plätze und um ihre Existenz. Denn die Implosionswelle begann nun die letzten Schiffe zu überrollen. Unaufhaltsam und unerbittlich. Das gesamte flache, scheibenförmige Universum hinter der Explosionswelle war inzwischen ein Gemenge von kleinen und kleinsten Materiebrocken. Nichts anderes existierte dort mehr im Fluid. Auch keine magnetischen Partikel mehr. Sie alle waren zum Zentrum hin geschoben worden. Im Zentrum des Universums begannen sich daher langsam und stetig, die magnetischen Partikel im Fluid zu verdichten. Im innersten Kern bildeten sie bereits einen festen Körper, zwei Perioden, bevor die ersten Schiffe ihn erreichen würden. Nachdrängende magnetische Partikel verdichteten ihn immer mehr, bis das Universum diesem punktuellen Druck nicht mehr standhalten konnte. Eine Öffnung ins übergeordnete Universum bildete sich aus. Fluid sowie magnetische Partikel flossen ab und reduzierten den immensen Druck. Dabei zog dieser Ausfluss nachfolgendes Fluid ab. Die vordersten Schiffe wurden so aus dem ringförmigen Inferno der Blitze herausgesogen und unaufhaltsam auf den Übergang ins übergeordnete Universum hin gesogen. Alle nachfolgenden Schiffe zerbarsten im Inferno der Blitze und wurden von der nachfolgenden Implosionswelle zerrieben. Nur die schnellsten Schiffe erreichten den Übergang.

Übergang
Er war im Laufe der vergangenen Perioden der Panik immer näher gekommen. Das Schaben und Schleifen von der Hülle des Wellenreiters zerrte an seinen Nerven. Es zerrieb seinen Wellenreiter aber anscheinend doch langsamer als anfangs vermutet. Die Hülle war, nach vierzehn Perioden, noch immer unversehrt. Als er dann aber einen plötzlichen Schub spürte, wurde er nervös. Als Archivar des ehemaligen Reiches Cancer wusste er um die physikalischen Grundlagen des Universums. Solch ein unerwarteter Schub konnte es nicht geben. Es sei denn ...? Ihm wurde klar, das er die genauen physikalischen Gegebenheiten des Übergangs nicht genau kennen konnte. Es war aber sehr wahrscheinlich, das sich der Übergang geöffnet hatte und es dadurch zu einem schnelleren Fluss im Fluid gekommen war. Denn die abfließende Masse des Fluids zog ja unweigerlich Fluid nach. Daher der Schub. Dies bedeutete aber auch, dass er dem Übergang schon sehr nahe sein musste. Der Wellenreiter begann zu vibrieren, behielt aber anscheinend seine Richtung bei. Er fand es nun bedauerlich, das er kein Fernfeld oder wenigstens eine Durchsicht im Wellengleiter eingebaut hatte. So konnte er die Geschehnisse nun nicht mitverfolgen. Nur deren Auswirkungen. Und die wurden immer schlimmer. Er wurde hin und hergeworfen. Nun hörte er auch Aufschläge auf die Hülle. Das Gemenge aus zerriebenen Materiebrocken in der Implosionswelle veränderte sich. Die Bestandteile wurden größer. Er vermutete sofort zerstörte Schiffe der zwölf Reiche. Er kannte sonst keine größeren Bestandteile im inneren Bereich des Universums, denn Materiebrocken gab es darin nicht. Es konnten also nur Schiffe aus den zwölf Reichen sein oder etwas gänzlich unbekanntes. Plötzlich wurde es still und er schwebte in seinem Sitz. Nur gehalten von den Gurten. Dann kehrte die Andruckkraft zurück aber entgegengesetzt zu der Richtung, in der er sie die letzten Perioden gespürt hatte. Gleichzeitig begann die Hülle des Wellengleiters, an zu glimmen. Immer Heller und Heller. Bis er vor Helligkeit kaum noch etwas sehen konnte. Der Wellengleiter verschwand aufgelöst in den unbegreiflichen physikalischen Gegebenheiten des Überganges. Einzig eine Art Membran näherte sich ihm. Er durchstieß die Membran ohne, dass er es verhindern konnte. Dann wurde es schlagartig dunkel um ihn herum.

Das andere Universum
Er konnte nicht begreifen, was er vor sich sah. Ein Universum ohne Begrenzungen. Eine unbegrenzte Höhe, Tiefe und Weite, angefüllt mit seltsamen bunten Punkten. Ein Meer an kleinen Farbpunkten, die trotz ihrer Helligkeit das Dunkel nicht vertreiben konnte. Und es war still. Kein permanentes Murmeln war zu hören. So sah also das benachbarte Universum aus, dachte ‹mikeej42› aus dem Reich Cancer. Hinter ihm durchdrangen Schiffe aus dem Reich Cancer die Membran und lösten sich, im Gegensatz zu ihm, sofort auf und flogen als bunte Punkte in die Tiefe des neuen Universums. Das Meer an bunten Punkten wurde vielfältiger. Die Prophezeiung hatte sich erfüllt. Mit einem wohligen Gefühl begann nun auch er, sich in diesem neuen Universum aufzulösen. Es überwältige ihn dermaßen, das ihm als Letztes ein unwillkürlicher Laut entfuhr.
«Wow!»
Dessen akustische Welle verursachte in der Membran hinter ihm, eine Schwingung mit genau dem Signalverlauf ‹6-E-Q-U-J-5› im Fluid des implodierten Universums. Dort prägte sie sich langsam und unaufhaltsam im Fluid ein. Ein permanentes Summen dieser Schwingung durchzog den inneren Bereich des flachen Universums und reduzierte die magnetische Feldstärke wieder auf ein normales Maß. Das flache und scheibenförmige Universum begann einen neuen Zyklus.

Ende

Geschrieben von Andreas Blome