| Santini
Alien Teil 4
|
|
Ein Roman von Andreas Blome |
|
|
|
Das Klopfen ertönte nur für wenige Sekunden. Dann war es wieder ruhig innerhalb des Schiffes. #Ob das vielleicht Bob war?# Fragte Erik zum wiederholten male. #Wir haben die Fabrik vollständig durchsucht.# Antwortete John. #Wie Du weist, haben wir keine Spur von ihm gefunden.# Erik lauschte trotzdem weiter. Bob war sein Freund gewesen. Es stimmte zwar was John sagte aber vielleicht lag Bob in einem Winkel der Fabrik der nicht durchsucht werden konnte. Allerdings wusste er auch, das Bob bereits vor drei Wochen verschwunden war. Und auch sein Raumanzug hing immer noch in seinem Spind. Es war zwar möglich, das Bob sich irgendwo innerhalb der Fabrik verbarg aber dann musste es auch einen Grund dafür geben. Und den fand Erik einfach nicht. Allerdings fehlten Lebensmittel in der Vorratskammer. Einmal hatten sie so etwas wie ein Versteck gefunden. Ein paar Nahrungspakete, zum Teil bereits verwest, lagen in einer Nische neben einigen Decken. Sie hatten auch Spuren von Blut und getrocknete Schleimtropfen gefunden. Für ihn war es damit klar gewesen, das Bob sich hier längere Zeit versteckt gehalten hatte. Und er musste krank oder verletzt gewesen sein. Aber er wusste noch nicht warum er das tat. Bob war zwar in der letzten Zeit etwas seltsam gewesen aber das traf auf jeden von ihnen zu. So eine 4 Jahresreise zerrte an den Nerven. #John.# Meldete sich der Kapitän über Funk. #Ihr könnt jetzt in die Santini verlassen. Fionna ist in Reichweite. Und trödelt nicht wieder so lange herum wie beim letzten male.# Fauchend lösten sich die Klammern, die die Fähre noch mit dem Fabrikschiff verbanden. Erik steuerte die Fähre vorsichtig aus ihrer Ladebucht heraus. #Wie sieht es mit der Ladeautomatik aus, Tom.# Fragte John inzwischen über den Bordfunk. #Alles in Ordnung.# Antwortete Tom aus der Beladautomatik heraus. #Sie funktioniert wieder bevor wir Fionna erreichen.# Sobald die Fähre auf dem Weg nach Fionna gebracht war sah Erik aus dem Fenster. Die Fabrik war immer wieder ein imposanter Anblick. Alle drei Schmelzanlagen glühten in einen unirdischen Rot. Dort wurden die Sandladungen von Fionna und den anderen Planeten, die die Fabrik bereits besucht hatte, geschmolzen und weiterverarbeitet. Die entstehenden elektronischen Platten wanderten in die automatischen Lager und harrten dort ihrer Abholung. Fionna war der letzte Planet auf ihrer vierjährigen Rundreise. #Warst Du schon einmal auf Fionna. Erik?# #Auf der letzten Reise.# Antwortete Erik. #Und diesmal wird es wirklich die letzte Reise sein die ich für Techkom mache. Zweimal 4 Jahre auf der Santini reichen mir wirklich.# #Wie sieht's auf Fionna aus?# #Heiß und Sandig. Die Temperatur liegt im Schnitt bei 40 Grad. Wasser ist Mangelware.# #Ahhh. Jetzt verstehe ich auch was diese Wassertanks zu bedeuten haben. Wir machen Konterware?# #Was Techkom nicht weiß, macht uns Reich.# ließ Tom hören, als er die Steuerzentrale betrat. #Die Beladautomatik funktioniert wieder.# Es rüttelte heftig als die Fähre in die Atmosphäre eintrat. Windgeschwindigkeiten bis 300 Km/h waren in der höheren Atmosphäre nichts ungewöhnliches. Der Abstieg zur Oberfläche wurde fast ständig von der Automatik durchgeführt. Erik brauchte nur auf den letzten Dutzend Metern eingreifen. Dann setzte die Fähre mit einem Ruck neben der planetaren Sandfabrik auf. #Wir sind da.# Sagte Erik. #Informierte er die anderen.# #Okay.# Erwiderte John. #Erik. Du kümmerst dich um den Zustand der Fähre. Tom und ich beginnen mit der Beladung.# Erik verließ die Fähre und wurde sofort von einer Sandwolke eingehüllt. Außerdem traf ihn die Hitze wie ein Faustschlag auf dem Kopf. Den Sand ausspuckend machte er sich an die Inspektion der Außenhülle. Landungen auf Planeten verursachten fast immer Dellen, Krater oder sogar auch Löcher in der Außenhülle der Fähre. Nach den Konzernrichtlinien musste eine Inspektion nach jeder Landung vorgenommen werden aber Erik wusste auch, das nicht jede Besatzung dies auch wirklich tat. John und Tom waren dabei die mitgebrachten Wassertanks in die fabrikinternen Tanks umzupumpen. Auf Fionna war Wasser Mangelware und demnach hoch im Kurs. Die normalen Versorgungsschiffe des Konzerns flogen diesen Fabrikplaneten nur jeden zweiten Monat an. Als Erik am Triebwerksbereich der Fähre angekommen war, ertönte ein lautes knallendes Geräusch. Der Stutzen der Fabrik hatte sich in die entsprechende Öffnung der Fähre gesenkt. Wenig später war das Rauschen des Sandes zu hören. Um die Fähre zu füllen würde es rund 4 Stunden dauern. Genug Zeit um Geschäfte zu machen. Keuchend kletterte Erik an den Triebwerksöffnungen hoch auf das schmale Band der umlaufenden Galerie. Natürlich gab es auch eine weniger kompliziertere Möglichkeit die Galerie zu betreten aber die dafür eigentlich vorgesehene Tür war aus Sicherheitsgründen verschweißt worden. So blieb ihm nichts übrig, als jedes Mal über die Triebwerke zur Galerie hochzuklettern. Aufmerksam sah er dann während seines Ganges um die Fähre die Außenhaut nach. Sie bestand aus soliden Stahlplatten und war übersät mit winzigen Kratern und Dellen. Verursacht durch winzige Mikrometeoriten die es in jeden Sonnensystem gab. Diese Einschläge waren allerdings nicht gefährlich. Mehr Kummer bereiteten die hochgewirbelten Stein- und Sandbrocken der Planetenoberfläche. Als er auf der anderen Seite der Fähre angekommen war sah er etwas sehr merkwürdiges an der Außenhaut. Die Stelle lag einige Meter über der Galerie und war nicht genau zu sehen. Erik fluchte leise vor sich hin während er sein Kletterseil befestigte. Minuten später zog er sich langsam zur bewussten Stelle hoch. #John.# Rief er durch sein Mikro. #Hier Erik. Melde Dich.# #Was gibt's Erik.# Antwortete John wenig später. #Wir haben ein Problem.# Gab Erik durch. #In der Außenhaut befindet sich ein 60 cm großes Loch. Die Innenhaut hat ebenfalls ein Loch mit den gleichen Abmessungen.# #Kann man es Flicken?# Fragte John. #Ja.# Sagte Erik. #Wird nur etwas dauern. Und ich brauche Hilfe dabei.# #Ich schicke dir Tom vorbei.# Beendete John das Gespräch. Erik wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht und sah sich das Loch etwas genauer an. Die messerscharfen Kanten waren nach außen gebogen. Das konnte aber nicht von einem Stein verursacht worden sein. Im Gegenteil. Irgendein Gegenstand war von Innen her durch die Außenhaut geschossen. Eine durchgegangene Explosivgranate konnte solch ein Loch verursachen aber an Bord dieser Fähre gab es solch eine Munition nicht. An den Stahlplatten der Innenhaut schien etwas grünlich-weißliches zu haften. Erik prüfte es mit dem Zeigefinger nach. Die merkwürdige Masse hatte eine schleimige Konsistenz und begann langsam nach unten zu fließen. Angewidert wischte Erik sie am Hosenbein ab. Wahrscheinlich die Überreste eines fliegenden Tieres, das bei ihrer Landung hier gestorben war. Als Tom die Galerie entlang kam hangelte sich Erik nach unten ab. #Was brauchen wir zum Flicken?# War seine erste Frage, als er Erik erreichte. #Zwei Stahlplatten. Einen Quadratmeter groß. Schweißgerät und Flaschenzüge.# Antwortete Erik. Während sie in der Fähre nach den Sachen suchten handelte John mit dem Manager der Fabrik den Preis für das Wasser aus. Handelseinig geworden begab er sich hinterher in die Fabrikkantine. #Ein Bier.# Sagte er zum Wirt und setzte sich an einen der noch leeren Tische. Es dauerte nicht lange und er hatte Gesellschaft. Drei Fabrikarbeiter setzten sich zu ihm. Sie sahen aus als ob sie schon einige Jahre auf Fionna verbracht hatten. #Was gibt es neues zwischen den Sternen Matrose.# Fragte einer von ihnen. Alle Planetarier benutzten das Wort Matrose für die diejenigen, die ihren Dienst auf den Raumschiffen taten. Es war keine Beleidigung. #Wir haben den Klabautermann an Bord der Santini.# Antwortete John und trank einen großen Schluck aus dem Bierkrug. #Den Klabautermann?# Lachte der Arbeiter. #Gibt's die denn noch?# #Anscheinend ja.# Erwiderte John ernst. #Wir haben auf unerklärliche Weise ein Besatzungsmitglied verloren.# #Unfall oder Unglück?# Fragte der Arbeiter interessiert nach. #Weder noch.# Antwortete John. #Er verschwand einfach. Raumanzug und Spind waren unberührt. Vermutlich hat er den Raumkoller bekommen und ist durch eine Schleuse raus. Allerdings gab es keine Beweise für diese Theorie.# #Vielleicht versteckt er sich auch nur innerhalb der Santini.# Erklärte der Arbeiter. #Bin früher selbst auch auf einen Fabrikschiff gefahren. Hatten da mal so einen Fall. Versteckte sich die Hälfte der Reise irgendwo und kam dann einfach zurück. So als ob nichts gewesen war. Landete schließlich in so einer geschlossenen Anstalt.# John unterhielt sich noch einige Zeit mit den Arbeitern als eine Sirene ertönte. Alle Gespräche verstummten plötzlich. #Was ist los?# Fragte John. Dann knackte es plötzlich im Lautsprecher der Kantine. #Unfall mit 4 Toten in der Schmelzanlage. Aller freien Arbeiter sofort in den Einsatz. Die Schmelzanlage ist außer Kontrolle.# Fluchend rannten die Arbeiter aus der Kantine. John trank sein Bier aus und machte sich auf zur Fähre. Dort angekommen suchte er Erik und Tom auf. Er fand sie an der fabrikabgewandten Seite der Fähre. Sie schweißten gerade die letzte Stahlplatte auf das Loch in der Außenhaut. #Wie weit seit ihr?# Schrie John hinauf. #Fertig.# Antwortete Tom. Zufrieden ging John weiter zur Steuerstelle des Beladvorganges. Ein Arbeiter überwachte die ganze Anlage. Nach den Anzeigen auf dem Steuerpult war der Tank der Fähre bereits zu 90% gefüllt. #Hey. Wie lange noch?# Fragte John an. #Ne halbe Stunde.# Antwortete der Arbeiter. #Dann könnt ihr wieder Starten.# #Was gibt's neues vom Unfall in der Schmelzanlage?# Fragte John. Eine Stunde später begannen die Triebwerke der Fähre zu arbeiten. Gewaltige Feuersäulen ließen die Fähre erzittern. Nur langsam hob sie sich von der Planetenoberfläche. Im Gegensatz zur Landung war sie jetzt etwa dreimal Schwerer. Dadurch war sie in ihren Steuermanövern auch etwas schwerfälliger. Aber das gab sich, als sie den freien Raum erreichten. Im Weltraum gab es keine störende Atmosphäre. #Was war das eigentlich für eine Aufregung in der Fabrik?# Fragte Erik. #Es gab einen Unfall in einer der Schmelzanlagen.# Antwortete John. #Irgendein Tier geriet in die mechanische Steuerumsetzung der Schmelzstraße und legte sie dadurch lahm. Man fand nur noch einige Hautfetzen und schleimige Überreste von dem Tier. Inzwischen hat man die Schmelzanlage wieder unter Kontrolle bekommen. Allerdings gab es 4 Tote als der Schmelzofen plötzlich kippte.# Erik musste unwillkürlich an den Schleim des Kraterloches an der Außenhaut der Fähre denken. Anscheinend gab es Tiere auf Fionna die eine Vorliebe für Stahlbauwerke entwickelte. Aber dann fiel ihm ein, das er bei der Suche nach dem vermissten Bob ebenfalls diese Schleim gefunden worden war. War es wirklich ein Lebewesen vom Planeten Fionna gewesen? #Melde uns bei der Santini an, Erik.# Sagte John und riss Erik damit aus seinen düsteren Gedanken. #Fähre an Santini. Bitte Melden.# Außer dem knistern im Lautsprecher war nichts zu hören. Erik versuchte es ein weiteres mal. #Fähre an Santini. Bitte Melden.# #An Bord der Santini scheint der Funker zu schlafen.# Sagte Erik zu John. #Es meldet sich niemand.# #Ist das Gerät in Ordnung?# Erik checkte die Funksysteme. Sie waren alle in Ordnung. Man musste sie an Bord der Santini eigentlich hören. Es sei denn der Funker schlief an seinem Gerät. Aber dem konnte Erik abhelfen. Er schickte ein Pfeifsignal zur Santini hinüber, das jeden schlafenden Funker seinen Schlaf vergessen ließ. #Fähre an Santini. Bitte Melden.# Nichts. Die Santini meldete sich nicht. War dort irgendetwas vorgefallen? ENDE |
|
Geschrieben von Andreas Blome |