Sydney

Alien Teil 2

 

Ein Roman von Andreas Blome

#Kevin.#

Kevin erreichte noch nicht einmal seinen Schreibtisch als ihn auch schon ein lauter Befehl in das Redakteurszimmers rief.

Sofort drehte er in Richtung des Redakteurszimmers ab. War sein letzter Artikel denn so schlecht gewesen? Er hatte die Kritiken darüber noch nicht bekommen. Der Chefredakteur rief seine Mitarbeiter nur dann in sein Zimmer wenn irgendetwas nicht in Ordnung war. Als Kevin die Tür aufstieß wusste er immer noch nicht warum er vor dem Chef erscheinen musste.

#Kevin. Setzen Sie sich.#

Kevin setzte sich. Gerade als er fragen wollte was an seinem letzten Artikel denn so schlecht war begann Sir John zu reden an. Das Sir vor seinen Namen wies daraufhin, das er vor langer Zeit einmal in England geadelt worden war. In der Redaktion ging das Gerücht herum, das es mit der Entführung der Tochter der vorletzten Königen, Christina II, zu tun hatte. Aber da er niemals etwas darüber erzählt hatte, blieben es nur Gerüchte.

#Was wissen Sie über Alphatron, Kevin.#

Kevin revidierte schnell seine Überlegungen in Bezug auf eine mögliche schlechte Kritik und rekapitulierte was er über den Konzern Alphatron wusste.

#Alphatron entwickelt, baut und vertreibt Waffensystem aller Art. Teilweise illegal, was bisher aber niemand beweisen konnte. Hat seine Finger im Bergbau auf verschiedenen Planeten. Ist mit einer der größten Konzerne der Erde. Hat diverse Beteiligungen an anderen kleineren Konzernen. Hauptsitz ist Sydney und der jetzige Konzernchef heißt Jamamoti. Das ist auch schon alles was offiziell über Alphatron im Umlauf ist.#

Sir John seufzte und lehnte sich in seinen Stuhl zurück.

#Was wissen wir inoffiziell noch über Alphatron?#

Kevin überlegte schnell was er noch an Wissen preisgeben konnte.

#Alphatron hat seiner einiger Zeit ein neues Projekt laufen. Ich weiß aber noch nichts weiter darüber. Nur das es offiziell nicht existiert.#

Das war zwar nicht alles, aber mehr würde er Sir John nicht mitteilen. Der Rest waren im Augenblick nur Spekulationen und außerdem führte er bereits geheime Gespräche mit einem anderen Verlag und diese Geschichte könnte dort sein Einstieg werden.

#Inzwischen ist etwas mehr bekannt geworden. Vor sechs Wochen gab es einen Unfall in einem Labor von Alphatron in Sydney. Offiziell brach in einem Labor ein Feuer aus aber mein Informant berichtete etwas anderes.#

Kevin wurde hellhörig.

#Was für ein Labor?#

#Laut Jamamoti ein Labor zur Entwicklung eines neuen Waffensystems das in Flammen aufging als einen Waffe im Testfeld ausgelöst wurde. Mein Informant sagte aber, das es ein Biolabor war und das das Feuer erst viel später selbst gelegt wurde. Es gab mehrere Dutzend Tote!#

#Man wollte also keine Spuren hinterlassen!#

#Richtig.#

#Weiß Ihr Informant genaueres?#

Sir John zögerte. Das hieß nichts gutes.

#Er starb während der Übermittlung der Daten.#

Eine Zeitlang hing jeder von ihnen seinen eigenen Gedanken nach. Wusste Sir John das er den Verlag wechseln wollte und gab ihm deswegen diesen Auftrag? Kevin konnte es nicht ausschließen. Sir John war immer noch ein sehr cleverer Reporter mit zahlreichen Kontakten. Er würde auf der Hut sein müssen.

#Er erwähnte den Begriff "Alien".#

Alien? Kevin wusste das es verschiedene Geschichten über mögliche außerirdische Lebensformen gab aber in den letzten Jahrzehnten der Raumfahrt hatte es niemals Kontakte gegeben. Die Menschheit hatte sich über zahlreiche neue Sonnensystem ausgebreitet aber auf keinem gab es außerirdisches Leben. Von fremdartigen Mikroorganismen mal abgesehen.

#Alphatron hat erst vor kurzen einen neuen Planeten für das Terraforming und den Bergbau angemeldet. Farnard 12. Das System liegt weit abseits der bewohnten Sphäre. Sie könnten auf etwas gestoßen sein.#

#Der Gedanke liegt nahe. Aber alle möglichen Anfragen werden abgeblockt. Kein Information ist die Standartantwort.#

Farnard 12 war der zwölfte Planet von 17 in diesem System. Und auch der einzigste auf dem sich ein Terraforming lohnen würde. Begonnen hatte Alphatron damit vor sechs Jahren. Soweit Kevin wusste gab es allerdings seit zwei Jahren eine Bergbaufabrik und eine Firmensiedlung dort.

#Vielleicht sind sie auf etwas gestoßen. Artefakte vielleicht?#

#Das sollen Sie herausfinden Kevin. Sie fliegen morgen mit dem Shuttle nach Sydney. Hotel und Flug ist bereits gebucht. Sie haben eine Woche Zeit, dann will ich etwas auf dem Schreibtisch liegen haben.#

#Alles klar. Ich mache mich gleich auf den Weg.#

Kevin stand auf und verließ den Raum.

#Kevin.#

In der Tür drehte sich Kevin noch einmal um.

#Sein Sie verdammt vorsichtig.#

Kevin nickte nur. Er hatte das Schicksal des Informanten nicht vergessen.

*

Im Shuttle rief Kevin sich die Tageszeitungen der letzten sechs Wochen aus Sydney auf das Display. Er stieß nur auf zwei Artikel die in einem namentlichen Zusammenhang mit dem Unfall bei Alphatron zu tun hatten.

Im ersteren wurde berichte, das ein Feuer in einem Versuchslabor ausgebrochen war und es mehrere Tote gegeben hatte. Ansonsten nur Blabla. Der zweite Artikel enthielt nur eine kleine Notiz über das Begräbnis eines Mitarbeiters auf dem öffentlichen Friedhof.

Kevin blickte nachdenklich zum Fenster hinaus. Wolken hingen über dem europäischen Kontinent. Von Osten her schob sich die Dunkelheit darüber. Kurz darauf ging im inneren des Shuttles das Licht an. Draußen wurde es dunkel. Sie waren in die Nachthälfte des Planeten eingedrungen.

Es gab in den Artikeln nichts weiteres über den Unfall. Aber Kevin war Reporter. Wenn es keine unmittelbaren Berichte gab, dann aber mit Sicherheit unmittelbare. Es hatte Tote gegeben. Kevin rief die Seiten mit den Todesanzeigen auf. Nach einer halben Stunde hatte er neue Tote identifiziert die bei dem Unfall gestorben waren. Er notierte sich die Namen.

#Kling, kling.#

Das war die Mitteilung zum anschnallen. Das Shuttle begann mit dem Wiedereintritt in die Atmosphäre. In den nächsten Minuten wurde Kevin etwas durchgerüttelt. Als es wieder ruhiger wurde sah er sich die Informationen noch einmal an.

Ihm fielen mehrere Artikel auf, die über das Verschwinden von Bewohnern berichteten. Sein Instinkt meldete sich. Er sah sich die entsprechenden Artikel genauer an. Die Personen waren alle im gleichen Gebiet von Sydney verschwunden. In der Nähe befand sich auch das Gebäude mit dem ehemaligen Labor. Ob da ein Zusammenhang bestand?

#Das werde ich mir genauer ansehen.#

#Entschuldigung. Sagten Sie eben was?#

Kevin wandte sich seinem Nachbarn zu. Ein älterer Herr um die sechzig. Teuerer Anzug, polierte Schuhe. Mit Sicherheit ein pensionierter Angestellter der gehobenen Klasse.

#Ich sprach mit mir selbst. Eine Angewohnheit von mir.#

#Oh. Ich dachte immer, das es nur den älteren passieren würde. Nichts für ungut, Mister.#

Kevin nickte nur und widmete sich wieder den Artikeln zu.

Ein räuspern neben ihn ließ ihn seine Aufmerksamkeit wieder dem älteren Herrn neben ihm zuwenden.

#Entschuldigen Sie bitte aber ich sehe das Sie sich für das geheimnisvolle Verschwinden in Sydney interessieren. Sind Sie vielleicht von der Polizei?#

Kevin witterte sofort eine mögliche Informationsquelle.

#Sicherheitsdienst von Alphatron. Sie sind ebenfalls dort angestellt?#

Er hatte rechtzeitig den kleinen Aufkleber am Anzug entdeckt den alle Angehörigen eines Konzerns trugen.

#Ehemaliger Sachbearbeiter für Öffentlicharbeit.#

Whow. Besser hätte es ja gar nicht passieren können. Auch wenn er schon pensioniert war hatte er doch mit Sicherheit immer noch Verbindungen zu seinem ehemaligen Arbeitskollegen. wenn er es geschickt anstellte konnte er bestimmt mehr erfahren.

#Ich heiße Johns.#

Kevin benutzte lieber einen anderen Namen als seinen eigenen irgendwann einmal auf einer inoffiziellen Todesliste zu finden.

#Ich arbeite verdeckt.#

Kevin hatte den prüfenden suchenden Blick nach seinem Aufkleber bemerkt.

#Sie haben ganz recht. Ich ermittle in genau dieser Richtung. Erzählen Sie es aber niemanden weiter.#

#Selbstverständlich. Ich heiße McMurdoc. Kann ich ihnen helfen?#

#Wissen Sie etwas über das geheimnisvolle Verschwinden?#

#Es scheint irgendwie mit dem ausgebrannten Versuchslabor zusammenzuhängen. Meine Kollegen dürfen darüber nichts an die Öffentlichkeit dringen lassen. Mehr weiß ich auch nicht darüber. Ich vermute Sie wissen einiges mehr darüber?#

Kevin lächelte geheimnisvoll. Die Informationen  die er von Sir John bekommen hatten schienen sich zu bewahrheiten.

#Ja. Ihre Vermutung ist nicht ganz falsch. Behalten Sie das aber ja für sich.#

McMurdoc lehnte sich zufrieden zurück. Es passierte ihm nicht mehr so oft, das er etwas mehr wusste als er normalerweise wissen durfte. Früher war das anders gewesen aber das war seit seiner Pensionierung vorbei. Er seufzte auf und sah zu seinem Nachbarn hinüber. Der las wieder und wieder die Zeitungsartikel. 

*

Im Hotel packte Kevin seinen Koffer gar nicht erst aus. Er warf ihn einfach aufs Bett und spazierte wieder in die Eingangshalle hinunter. An der Rezeption besorgte er sich einen Stadtplan von Sydney. Damit ausgerüstet ließ er sich von einem Taxi in das Gebiet fahren in dem bisher sieben Bewohner der Stadt verschwunden waren.

Das Gebiet sah etwas heruntergekommen aus. Aber das lag mehr an den zahlreichen Baustellen. Alphatron ließ hier neue Wohnungen für seine Angestellten errichten. Kevin schlenderte mit offenen Augen durch die Straßen bis er an ein Gelände kam, das zwischen dem Gebäude in dem der Laborunfall stattfand und dem Neubaugebiet lag. Kevin holte sein Fernglas hervor und sah durch die Maschen des drei Meter hohen Zauns hindurch.

Haufen von Computerschrott, Baumaterialien, ausrangierten Fahrzeugen, Maschinen und anderen Teilen. Das Gelände war etwa so groß wie zwei Fußballfelder. Kevin ging einmal um das Gelände herum. An jeder Ecke stand ein Wachposten. Vorne am Haupttor standen sogar zwei Wachposten hinter dem Tor. Alle unbewaffnet. Mit Sicherheit hatten sie aber ihre Waffen irgendwo schnell griffbereit.

Hier kam er mit Sicherheit nicht herein. Waren die verschwundenen Bewohner vielleicht zu neugierig gewesen? Oder gab es doch irgendeine außerirdische Spezis, die aus dem Labor entwischt war und sich hier auf dem Gelände versteckte? Nicht umsonst wurde das Gelände so sorgfältig bewacht. Irgendeinen Grund musste es haben.

Unauffällig schlenderte Kevin davon. Zurück im Hotel schlief er bis zum Abend. Dann meldete er sich bei seinem Verlag und teilte Sir John das beobachtete mit. Als es draußen stockfinster wurde verließ er das Hotel.

Vorsichtig ließ Kevin sich auf die andere Seite des Zaunes herab. Bisher war er nicht gesehen worden. Schnell huschte er zwischen die Schrotthaufen hinein. Jetzt brauchte er nur noch viel Geduld und etwas Glück. Seine Absicht war es in die Nähe der Wachposten zu kommen. Aus Erfahrung wusste Kevin, das man sich über den Grund des Postenstehens untereinander Unterhielt.

Es dauerte über eine Stunde bis Kevin sich zu einem der Wachposten hingearbeitet hatte. Er steckte jetzt knapp drei Meter neben einen Wachposten in der Nähe des Haupttores. Ein zweiter Wachposten kam nach einer Stunde um den ersteren auf seinem Posten Abzulösen.

#Was bemerkt?#

#Nein. Nichts. Es scheint nicht mehr am Leben zu sein. Seit über drei Wochen hat es keinen Überfall mehr gemacht.#

#Unsere Führungsbosse glauben nicht daran. Also Pass bloß weiterhin genau auf.#

#Ich geh dann jetzt die Runde.#

#Ok.#

Wovon sprachen die Wachposten bloß. Es hatte sich fast so angehört als ob irgendein Tier oder Ungeheuer, ein Alien?, aus dem Labor ausgebrochen und sich hier im Schrott versteckt hatte. Und es hatte mit dem verschwinden der sieben Bewohnern von Sydney zu tun.

Kevin folgte leise den eben abgelösten Wachposten auf seinen Weg. Der Wachposten hatte sein Gewehr, Nachts schienen sie es offen zu tragen, schussbereit in den Händen. Langsam ging er Schritt für Schritt zwischen den Schrottbergen hindurch. Er schien etwas zu suchen.

Kevin rutschte plötzlich aus. Unter ihm hatte sich ein Maschinenteil gelöst und klapperte nun den Haufen hinab. Mucksmäuschenstill verharrte Kevin. Ein Lichtstrahl fuhr zu ihm hoch. Fand ihn aber nicht.

Unter ihm hatte der Wachposten sein Gewehr schussbereit in seine Richtung geschwenkt. Langsam näherte er sich. Knapp fünf Meter vor Kevin schepperte etwas den Schrotthaufen auf der anderen Seite herab. Der Wachposten drehte sich um. Nicht schnell genug. Kevin sah einen schnellen Schatten sich vom Schrotthaufen lösen und auf dem Wachposten zuschnellen.

#Irrrgh.#

Die Taschenlampe des Wachpostens fiel zu Boden, blieb dabei aber an sodass Kevin für zwei Sekunden das Alien sehen konnte. Der Wachposten hatte überhaupt keine Chance. Ihm wurde so schnell der Kopf abgebissen, das ihm nicht einmal Zeit für einen längeren Schrei blieb. Das Alien war etwa zwei Meter groß. Zwei Beine, zwei Arme die es aber auch zum Laufen benutzte. Mörderisch aussehender Kopf und einen langen Schwanz. Mehr nahm Kevin nicht wahr.

Sekunden später waren das Alien und der tote Wachposten verschwunden. Fast panisch vor Angst und Grauen kletterte Kevin nach unten. Die Taschenlampe brannte immer noch und in ihrem Licht sah er den Kopf des Wachpostens in einen stummen Schrei erstarrt. So schnell wie noch nie in seinem Leben verließ er das Gelände.

Erst im Hotelzimmer angekommen legte sich nach und nach das erste grauen. Es gab wirklich ein Alien. Wie war Alphatron in seinem Besitz gekommen? Warum wurde es verschwiegen? Sir John musste sofort Bescheid wissen. Kevin sah zur Uhr. Vier Uhr früh. Das hieß, das im Verlag niemand mehr zu erreichen war. Dort war es der Zeitverschiebung nach so gegen Mitternacht.

Trotzdem rief Kevin die Nummer von Sir John an. Ein Anrufbeantworter nahm seinen ersten Bericht auf. Dann ging er unter die Dusche. Mitten beim Haarwaschen wurde der Duschvorhang zurückgerissen und Kevin spürte eine winzige Nadel in seinen Körper dringen. Rasend schnell verbreitete sich ein taubes Gefühl in seinem Körper. Sein letzter Blick zeigte ihm zwei Männer in Uniform des Sicherheitsdienstes von Alphatron. Dann nur noch schwärze.

ENDE

Geschrieben von Andreas Blome